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(c) Nicole Hubmann

Inhaltsverzeichnis

Wo man in Klagenfurt ein Buch ausleihen und genießen kann

Kärnten und Klagenfurt weisen statistisch gesehen eine besonders hohe Dichte an überregionalen und internationalen Autorengrößen auf. Doch wo lässt sich in Klagenfurt ganz bequem ein gutes Buch ausleihen? Was Lesehungrige von den Bibliotheken in „K“ erwarten dürfen und wo man die entlehnten Bücher am besten genießt, erfahren Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Wenn man jenseits der Landesgrenzen Klagenfurt erwähnt, ist die wohl häufigste Assoziation der Bachmannpreis (genauer: die Tage der deutschsprachigen Literatur). Ingeborg Bachmann und die deutschsprachige Literatur: Beides ist durch ein inniges Verhältnis mit der Kärntner Landeshauptstadt verbunden. Kärnten und Klagenfurt weisen statistisch gesehen eine besonders hohe Dichte an überregionalen und internationalen Autoren auf.

Die Bachmann – ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Peter Handke, mit nicht weniger als dem Nobelpreis im Regal, Gert Jonke, der großartige Meister des Absurden, die asketische Poetin Christine Lavant oder der mondäne intellektuelle Robert Musil. Aber auch Maja Haderlap und Anna Baar, Egyd Gstättner oder Florjan Lipuš. Die Liste ließe sich noch eine Weile fortführen.

Sie alle brachte der Landstrich an der Schnittstelle zwischen den drei großen europäischen Kulturräumen hervor. Alle haben dort gewirkt oder ließen das Erfahrene in ihre Literatur einfließen. Die Macht des Wortes, des geschriebenen wie des gelesenen, hat einen hohen Stellenwert im Land zwischen Glockner und Koralm – möchte man meinen.

Doch der Büchner Preisträger Josef Winkler formuliert seit mehr als 12 Jahren die Forderung nach einer eigenen Stadtbibliothek für „K“ (bei Bachmann und Winkler findet man „K“ als Abkürzung für „Klagenfurt“). Es sei Aufgabe der Stadt, ihren Bürgern Bücher zur Verfügung zu stellen. Eine politische Forderung. Zwar gibt es in „K“ insgesamt zehn öffentliche Bibliotheken und einer Leseratte könnte es grundsätzlich egal sein, von welcher Seite der Büchertempel betrieben wird, in den sie sich einnistet. Doch es geht ums Prinzip.

Der Bibliotheksbetrieb in der Landeshauptstadt ist dezentral. Das hat durchaus den Vorteil, dass der Weg zum nächsten guten Buch stets ein kurzer ist. Soweit die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Was Lesehungrige von den Bibliotheken in „K“ erwarten dürfen und wo man die entlehnten Bücher am besten genießt, erfahren Sie hier.

Universitätsbibliothek Klagenfurt

Beginnen wir bei der größten und umfassendsten Mediensammlung im Land: dem Herz der Universität Klagenfurt. Der lichtdurchflutete Neubau im architektonischen Zentrum des Universitätsgebäudes beheimatet mit einem Konvolut aus knapp einer Million Druckwerken und elektronischen Medien Kärntens größte Mediensammlung. Der Bestand der Uni-BIB geht in seinen Anfängen auf die Sammlung des „Collegium sapientiae et pietatis“ aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück.

Neben Fachliteratur für die Ausbildung und Lehre an der Universität verfügt die Uni-BIB über historische Drucke und Handschriften, die bis in die frühe Neuzeit zurückreichen. Wer es weniger theoretisch angehen will, der wird in der umfassenden Literatursammlung fündig. Diese reicht vom Schelmenroman über die Weimarer Klassik bis hin zur Popliteratur und beinhaltet auch die Werke internationaler Autoren in Originalsprache.

Wer bloß schmökern will, dem sei ein Abstecher in die Zeitschriftenabteilung ans Herz gelegt. Eine gut sortierte Auswahl an internationalen Fachzeitschriften, Kunstmagazinen oder überregionalen Tageszeitungen verschaffen Abhilfe bei plötzlich auftretendem Lesedrang.

Nutzer, die nicht an der Uni Klagenfurt inskribiert sind, müssen sich im Vorfeld des Bibliothekbesuches online registrieren.

Universitätsstraße 65-67, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) Daniel Waschnig

Bibliothek im Musil Institut

Das Musil Haus gegenüber dem Hauptbahnhof ist nicht zu übersehen. Die überdimensionalen, von Jef Aérosol auf die Fassade gesprühten Portraits Bachmanns, Lavants und Musils ziehen die Blicke der Ankommenden schon von Weitem auf sich. In diesem Haus wurde der spätere Literat von Weltrang Robert Musil 1880 geboren.

Heute ist mit dem Musil Institut im ersten Stock eine Abteilung der Universität Klagenfurt im Haus untergebracht. Der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung, Kategorisierung und Archivierung deutschsprachiger, vor allem Kärntner, Literatur. Im Archiv finden sich Nachlässe von Gert Jonke und Werner Kofler oder der gewaltige Vorlass Josef Winklers, dessen Auswertung und Aufarbeitung das Musil Institut übernimmt. Doch neben akademischen Tätigkeiten verfügt das Institut über eine exquisite Spezialbibliothek.

Dort befinden sich unter anderem Werke zur Literatur- und Kulturgeschichte Kärntens und der Nachbarregionen Slowenien und Friaul. Wie auch für die Benützung der Hauptbibliothek ist hier eine Registrierung nötig. In der vorlesungsfreien Zeit wird auch eine telefonische Voranmeldung erbeten.

Bahnhofstraße 50, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Musilmuseum, Außenansicht, Haus, Gebäude, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, Ausstellung, Galerie, Kunst, Skulpturen, Installationen, Bilder, Malerei, Fotografie
(c) Dieter Resei

Musil Museum – Literaturlounge

Im Erdgeschoß des Musil Hauses ist das Robert Musil Literatur Museum beheimatet, das sich in einer Dauerausstellung in Erster Linie mit der Biographie Robert Musils, aber auch mit jenen von Christine Lavant und Ingeborg Bachmann auseinandersetzt. In der Literaturlounge mit Blick auf den Bahnhof treffen sich immer wieder Autoren und Kunstschaffende aus dem ganzen deutschsprachigen und dem Alpen-Adria-Raum auf einen angeregten und anregenden Plausch.

Eine Besonderheit der Literaturlounge ist die frei nutzbare Bücherwand, die zum „book crossing“ einlädt: Das Regal wird zum Umschlagplatz für nicht mehr verwendete Bücher, die dort ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Ausgesonderte Bücher aus dem heimischen Regal können dort abgegeben werden. Diese landen dann in der Bücherwand der Literaturlounge, wo sie gelesen, weggelegt, wieder in die Hand oder auch mitgenommen werden können. Bücher sind schließlich zum Lesen da. Und das Letzte was man tun sollte, ist – Bücher wegzuwerfen.

Bahnhofstraße 50, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) Anja Koppitsch

AK-Bibliothek

Nur wenige Schritte vom Musil Haus entfernt, am Bahnhofplatz, befindet sich die Bibliothek der Arbeiterkammer Kärnten, die mit einem vielfältigen Leseangebot für Erwachsene, Kinder und Jugendliche dient. Daneben finden sich aber auch ausführliche Bestände an populärwissenschaftlichen Sachbüchern, sowie einführende Fachliteratur.

Die Geschichte der Bibliothek geht auf die Arbeiterbewegung in der Zeit der ersten Republik zurück. Auf insgesamt 600 Quadratmetern stehen den Besuchern eine Freihandabteilung mit über 35.000 Medien sowie ein großzügiger Konferenzraum und mehrere Seminarräume zur Verfügung. Auch das digitale Angebot der AK-Bibliothek kann sich sehen lassen: weitere 35.000 eBooks, Audiobooks und Sprachkurse sind online rund um die Uhr zugänglich.

Die Bibliothek verfügt über einen hervorragend ausgebauten Bestand an attraktiver Kinder- und Jugendliteratur sowie eine gut sortierte Belletristik-Abteilung mit den Sparten Krimi, Thriller, historische Romane und Liebesromane. Tonies, Tiptoi-Medien, Mangas und Comics gehören natürlich auch zum fixen Bestandteil des Angebots und erfreut sich an großer Beliebtheit.

Die Benützung der AK-Bibliothek ist mittels Lesekarte möglich. Diese wird gegen eine Gebühr von einmalig € 10,- ausgestellt und ist ein Leben lang gültig. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre bzw. Inhaber eines Schüler- oder Lehrlingsausweises lesen in den AK-Bibliotheken gratis.

Bahnhofplatz 3, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) Roman Huditsch Fotografie

Slowenische Studienbibliothek

Die Slowenische Studienbibliothek/Slovenska študijska knjižnica (SŠK) ist die zentrale Bibliothek der Kärntner Slowenen. In der Bibliothek befindet sich die größte Sammlung von Medien in slowenischer Sprache in Österreich und erhält die Pflichtexemplare aller Druckwerke aus der Republik Slowenien. Seit 1979 werden systematisch sämtliche Publikationen gekauft und gesammelt, die von Kärntner Sloweninnen und Slowenen verfasst wurden oder sich mit deren Thematik auf unterschiedlichsten Ebenen befassen. Der aktuelle Bestand umfasst ca. 140.000 Bücher, Landkarten, Noten, Audio- und Videokassetten sowie etwa 500 verschiedene Periodika.

Im Lesesaal stehen neben Leseplätzen ebenso PCs mit einem Online-Katalog und Internetanschluss zur Verfügung. Dadurch kann direkt auf den slowenischen Bibliothekenverbund zugegriffen werden, der von der Nationalbibliothek bis hin zur Schulbibliothek alle Sammlungen in Slowenien umfasst.

Mikschallee 4, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) Slowenische Studienbibliothek

Kärntner Landesbibliothek

Die Kärntner Landesbibliothek verfügt über eine umfangreiche Literatursammlung zu Themen mit Kärntenbezug. Als wissenschaftliche Fachbibliothek beherbergt sie über 150.000 Medieneinheiten, darunter viele kleinere und größere Kostbarkeiten wie eines der ersten großen Lexika, den sogenannten „Zedler“, alte Atlanten und Karten, Werke aus der Frühzeit der Kärntner Druckgeschichte, Erstausgaben sowie seltene illustrierte Bücher. Als Teil des Kärntner Landesmuseums liegt der Schwerpunkt der Landesbibliothek auf den Themen Kärntner Geschichte, Politik, Literatur-, Kunst- und Kulturgeschichte sowie Geologie und Biologie.

Aufgrund von Umbauarbeiten ist die Kärntner Landesbibliothek derzeit geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für 2022 vorgesehen.

Museumgasse 2, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) Landesmuseum Kärnten, Rudolfinum, Klaus Allesch

Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Kärnten

Wie die Universität Klagenfurt verfügt auch die Pädagogische Hochschule Kärnten über eine umfassende Sammlung an einschlägiger Fachliteratur, Tages- und Wochenzeitungen sowie diversen Fachzeitschriften. Der Schwerpunkt liegt auf Themengebieten, die für Studium, Lehre und Forschung an der PH erforderlich sind. Die Bibliothek der PH Kärnten ist öffentlich zugänglich. Externe Nutzer erhalten mittels Benutzungskarte Zutritt.

Hubertusstraße 1, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

(c) PH Kärnten

Bibliothek der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik

Die Bibliothek ist das wissenschaftliche Informationszentrum der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik und gewährleistet die Beschaffung, Sammlung, Erschließung und Bereitstellung von Literatur, um Lehr- und Forschungsaufgaben der Universität erfüllen zu können. 

Der Bibliotheksbestand umfasst über 60.000 Werke. In den Sonderbeständen lagern 15.000 klassische Bücher und Zeitschriften, etwa 40.000 Notendrucke und Tonträger, circa 3.000 alte Drucke sowie 2.000 Papier-Handschriften.

Die Universitätsbibliothek ist eine öffentlich zugängliche Musikbibliothek und eine Service-Einrichtung für Studierende, Professoren und Musikschaffende des Landes. Externe Besucher können die Sammlung durch einen angeforderten Bibliotheksausweis nutzen.

Mießtaler Straße 8, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Öffentliche Bibliothek Viktring

Die Öffentliche Bibliothek Viktring bietet, abseits des Stadtzentrums, alles was das Leserherz begehrt: von aktuellen Bestsellern über klassische und regionale Literatur bis hin zu Sachbüchern, Comics und Hörbüchern. Mit knapp 15.000 Medien ist für alle Altersstufen und jeden Lesegeschmack das Richtige dabei.

Abstimmungsstraße 33, 9073 Viktring

Buchhaltestellen

Ähnlich wie die Bücherwand in der Literaturlounge des Musil Hauses gibt es in „K“ zwei weitere Book-Sharing Stationen. Die sogenannten Buchhaltestellen am Universitätsgelände (vor dem Servicegebäude) und im Lendhafen sind große Freiluftschränke, die Tag und Nacht offen stehen. Ungelesene oder nicht mehr benötigte Bücher können dort abgelegt und gleich neuer Lesestoff mitgenommen werden. Das Angebot variiert stark und ist abhängig davon, wer welches Buch gerade zu Hause aussortiert hat. Ein spannendes Konzept! Denn manchmal sind es die unverhofften Bücher, die einen am meisten fesseln.

(c) Lukas Lenhardt

Buch in der Hand. Und dann?

Nun hat man ein gutes Buch ausgeliehen und kann es kaum erwarten, sich in dieses hineinfallen zu lassen. Wer keinen Lesesessel vor dem hauseigenen Kamin stehen hat, kann sich getrost einen gemütlichen Platz in der Stadt suchen.

Etwa entlang des Lendkanals, wo in regelmäßigen Abständen Parkbänke zum Verweilen einladen. Schon der Dichter Gert Jonke genoss das Ambiente am Kanal und ließ sich mehr als einmal davon inspirieren. Ebenso empfiehlt sich die Wörthersee Ostbucht für eine ruhige Stunde, in der man die eine oder andere Seite genießen kann.

Wer es lieber etwas belebter hat, dem sei das Lendhafencafé in der Villacherstraße oder das Kaffeehaus Ingeborg in der Sterneckstraße ans Herz gelegt. Auch das Phoenix Book Café mitten in der Altstadt von Klagenfurt ist ein idealer Ort. Auch am Benediktinermarkt lässt sich ein Einkaufsbummel oder ein Wochenendfrühstück mit einem guten Buch verbinden. Die zahlreichen Cafés und Restaurants im dichten Markttreiben bieten zwar nicht die stillste Lesekulisse, aber Literatur spielt sich ja auch nicht ausschließlich im Verborgenen ab, sondern gehört mitunter hinaus ins Getümmel.

(c) Nicole Hubmann

Eine Stadtbibliothek für alle?

Was auffällt ist, dass „K“ vor allem über fachspezifische Bibliotheken verfügt, die einer Bildungsinstitution angehören und vor allem der Lehre und Ausbildung dienen. Mit der AK-Bibliothek und der öffentlichen Bibliothek Viktring gibt es in der Stadt lediglich zwei Adressen, an die sich jedermann wenden kann. 

Aufgerechnet auf die Einwohnerzahl der Stadt ist dieses Angebot recht mager, es ist doch davon auszugehen, dass sich die Mehrheit der leselustigen Bevölkerung eher für zeitgenössische Literatur interessieren dürfte als für Systemtheorie oder das Notationswesen des Barock. Will man vor allem bei jungen Menschen die Lust am Lesen, am Phantasieren befeuern, ist das derzeitige Angebot sicherlich zu klein. Eine zentrale Stadtbibliothek könnte den Bogen zwischen Unterhaltungs- und Fachliteratur spannen und so eine Anlaufstelle für Lesewilligen aus allen Richtungen sein. In dieser Hinsicht hat JW allemal Recht.

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