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(c) Elias Jerusalem

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Der Vierbergelauf in Kärnten: Von Höhen und Tiefen

Wallfahrt für Wanderlustige: Zwar hat der Vierbergelauf eine lange brauchtümliche Tradition, hat sich aber in den letzten Jahren auch zum Kärntner Kult entwickelt - wir haben die vier heiligen Gipfel erklommen!

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Der Vierbergelauf hat in Kärnten eine lange Tradition. Um 1500 erstmals beschrieben, führt die Wallfahrt über den Magdalensberg, den Ulrichsberg, den Veitsberg bis zum und auf den Lorenziberg nahe Klagenfurt. Auf und ab geht es in ungefähr 15 Stunden durch Höhen und Tiefen – und das nicht nur, weil man sich durch Berg und Tal bewegt. Denn der Vierbergelauf ist mit Sicherheit kein Spaziergang. Ein Lauf aber auch nicht. Was euch bei diesem einzigartigen Wallfahrt-Erlebnis erwartet und auf was ihr euch vorbereiten müsst, erfahrt ihr hier.

4 Berge und ein Ziel vor Augen

Man kennt den 4 Berge Lauf aus den Medien, aus Erzählungen. Man weiß auch, dass er irgendetwas mit Ostern zu tun hat. Doch selbst ohne genaues Wissen darüber, was es damit eigentlich auf sich hat, gehört er in Kärnten wohl zu den Dingen, die man unbedingt gemacht haben muss. Ich gebe zu, ich kenne das Ziel nicht, als ich mir vornehme, diesen Pilgerweg zu bestreiten. Was ich vorab verraten kann: Man kommt ans Ziel – jeder für sich. 

Was ist der Vierbergelauf?

Gehen wir in der Geschichte ein paar Schritte zurück. Der Vierbergelauf ist ein jahrhundertealter Brauch, der jenem Weitwanderweg zu Grunde liegt, der am sogenannten „Dreinagelfreitag“ stattfindet – dem zweite Freitag nach Ostern. „Dreinagel“ steht dabei für die drei Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz gehängt wurde. Die Höhepunkte der Wanderung bilden nicht nur die Gipfel der vier heiligen Berge Kärntens, zum Vierbergelauf gehören traditionell auch drei Andachten und fünf heilige Messen in den Kirchen auf den Gipfeln.

Ein besonders wichtiges Ritual (je länger der Fußmarsch, desto schwieriger). Manche umrunden die Kirche dreimal im Uhrzeigersinn und hoffen, dass dieses Ritual ihren Gebeten Nachdruck verleiht. Grundsätzlich ist diese Kultwanderung dem Sonnenlauf nachempfunden und spiegelt die vier Jahreszeiten des Jahreslaufes wider. 

Die besten Tipps für den „Vierbergler“ 

  1. Abgesehen von Kleidung, Proviant und ein wenig körperlicher Vorbereitung, sollte man sich auch mental darauf vorbereiten. Der Vierbergelauf zieht sich über 50 Kilometer, 1.500 Höhenmeter und mindestens 15 Stunden Wanderzeit – auf und ab. Man möchte fast sagen: Wer den Himmel erreichen will, lernt auch die Hölle kennen. 

  2. Es zahlt sich also aus, im Vorfeld mehrstündige Wanderungen als Training zu unternehmen. Auch ein paar Tage vorher einige Stunden marschieren bereitet den Körper auf die bevorstehende Belastung vor und wärmt die Beine auf. 

  3. Und da der Lauf um Mitternacht beginnt: Wer kann, schläft vor! Schlafentzug und damit verbundene Begleiterscheinungen sind während der Wanderung definitiv ein Thema. Es gilt, so ausgeruht wie möglich zu starten. 

  4. Auf schweres Essen und Alkohol vor dem Start sollte dringlichst verzichtet werden – am besten man wartet mit dem ersten Schluck Bier bis zum Ende der Wanderung.

  5. Warme Kleidung, Regenschutz, vielleicht ein T-Shirt zum Wechseln. Manche Vierbergler schwören auch auf zwei Paar Schuhe (Profi-Tipp!). Viele beginnen den Marsch mit Bergschuhen und steigen nach dem Abstieg vom Ulrichsberg auf gemütlichere Sportschuhe um – aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Wer noch Platz im Rucksack hat, sollte sich unbedingt ein zweites Paar Schuhe und mehrere Paar Socken einpacken. 

  6. Und zu guter Letzt: Zwar werden an mehreren Stationen Jause, Reindling und Kaffee angeboten, ganz ohne eigenen Proviant sollte man aber auf keinen Fall losgehen. Ausreichend Wasser, ein leckeres Jausenbrot und auch ein Energydrink oder Proteinriegel schaden im Vierberge-Equipment sicherlich nicht. 

Stiller Start auf dem Magdalensberg

Ein Gutteil der Strecke muss in der Nacht zurückgelegt werden. Der Vierbergelauf beginnt um Mitternacht, wenn sich die Kreuzträger nach der heiligen Messe in der Kirche am Magdalensberg auf ihren langen Weg machen. 

Ich empfehle, sich ein „Taxi“ zu organisieren, das einem zum Startpunkt bringt und am nächsten Tag beim letzten Berg wieder abholt. Bei der Anfahrt auf den Magdalensberg (den viele auch schon von St. Veit zu Fuß erklimmen) wird mir bewusst, dass mich hier alles erwartet, aber nichts Gewöhnliches. Die Taschenlampen der Menschenmengen ergeben ein einzigartiges Lichtermeer, viele tragen Kreuze, manche gehen barfuß. Man hört die Leute murmeln: „Red‘ nicht so viel, geh in dich.“ „Lauf‘ für den Herrgott.“ Andere beten den Rosenkranz. 

Ja, wir sind mittendrin. Bis zum Anbruch des neuen Tages vergehen einige Stunden. Und schon nach kurzer Zeit fällt auf, wie anstrengend Bergabgehen sein kann. Nach ca. vier bis fünf Stunden über 14 Kilometer erreicht man pünktlich zum Sonnenaufgang den nächsten Gipfel.

Sonnenstrahlen bei Tagesanbruch auf dem Ulrichsberg

Müde vom Marsch durch das Zollfeld, angetrieben von den warmen Sonnenstrahlen und mit ersten Blasen an den Füßen ist es Zeit für eine erste Pause. Spätestens jetzt wird einem bewusst, dass wohl noch so einige Entbehrungen, Gefühlsschwankungen und körperliche Herausforderungen bevorstehen. 

Um sechs Uhr Früh am Gipfel des Ulrichsberges scheinen aber alle Strapazen der letzten Stunden erst einmal vergessen: Ein gemütlicher Kaffee, ein erster Bissen Jausenbrot als Frühstück. 

Viele beten, manche singen. Einige bekannte Gesichter treffen aufeinander. Getrieben vom Tageslicht steigt die Motivation. Ein Gemeinschaftsgefühl macht sich breit – ein ganz einzigartiges, wenn man mich fragt. Jeder trägt sein eigenes Päckchen. Und jeder hat seinen ganz eigenen Grund, hier zu sein. Beschwingt genießt man die Natur, Muskelschmerzen und Blasen sind nur noch halb so schlimm.

“Warum tu ich mir das an” auf den Veitsberg

Auf dem Weg über Zweikirchen durch das Glantal befinde ich mich in einem Wechselspiel der Gefühle: Irgendwo zwischen „Warum mache ich das?“ und „Ich weiß ganz genau, warum ich hier bin.“ 

Der Anstieg auf den Veitsberg auf 1.171 Meter verlangt vielen Vierberglern alles ab. Während der Wanderung sammeln viele Pilger das sogenannte Berglerlaub. Das sind Zweige immergrüner Pflanzen von Bärlapp, Karfunkellaub, Buchsbaum und Wacholder. Diese stecken sie sich dann auf den Hut oder Wanderstab. 

So anstrengend es auch sein mag, es stellt sich ein gewisser Flow ein – mal geselliger, mal ruhiger. Gegen Mittag erreichen wir den Gipfel des Veitsberges. Der Rucksack wird abgelegt, ein kräftiger Schluck Wasser folgt. Mir vergeht die Geselligkeit, in meinem Kopf türmt sich ein Motto auf: ONE LAST TIME.

Schuhe ausziehen auf den Lorenziberg

Der Abstieg vom Veitsberg hat es in sich! Spätestens hier ärgere ich mich, dass ich kein zweites Paar Schuhe mithabe. Meine gut eingelatschten Wanderschuhe tun ihren Dienst, trotzdem bekomme ich immer wieder Lust, sie auszuziehen. 

Aber man weiß: Es ist der letzte der vier Berge – das ändert auch die Stimmung unter den Wandernden. Es wird gequatscht und gelacht, man bewegt sich im Rhythmus der Gruppe. Fast freudvoll geht es der Kirche auf dem Lorenziberg entgegen – und wahrscheinlich ist es dieses Gefühl, das so viele Wandersleut‘ Jahr für Jahr aufs Neue erleben wollen. 

Auf dem Lorenziberg wird eine letzte Andacht gefeiert. Danach folgt ein Schnapserl an einem der Stände, ein Bier in netter Runde. Es geht noch ungefähr eine halbe Stunde bergab zum Parkplatz, kurz vor Ende ist der Moment gekommen: Ich ziehe meine Schuhe aus. 

Ich hatte sie zuvor schon leicht geöffnet, aber ich kann jetzt keinen Schritt mehr in diesen Schuhen gehen. Leichtfüßig geht es lachend bergab, ein letztes Bier auf dem Parkplatz, ein zweites, vielleicht ein letzter Schnaps. Ich schwöre mir, das nie wieder zu tun. Zugleich weiß ich, man wird mich wieder pilgern sehen. Am Ende des Vierbergelaufs gibt es nämlich nur noch eins zu sagen: HALLELUJAH! 

Pilgerweg in Kärnten mit Wirkung

Der Vierbergelauf ist ein besonderes Erlebnis, das nicht ohne Grund auch viele Gäste aus dem Alpen-Adria-Raum nach Kärnten zieht. Besonders interessant ist neben dem gemeinschaftlichen und mentalen Eindrücken auch die therapeutische Wirkung dieser Wanderung: Da der Körper mehr Energie verbraucht, als der Organismus liefern kann, greift er auf Reserven zurück und vagabundierende Proteine, Schlackenstoffe und entartete Zellen werden verbrannt.

Dadurch entsteht eine Lachgas-ähnliche Wirkung – bei allen Strapazen ist man Ende doch fröhlich und bestens gelaunt. Einer Legende zufolge ist jedem, der den Marsch über die vier Berge dreimal mitgemacht hat, das Paradies sicher: Das nächste Mal findet übrigens am 28. April statt! 

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