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Fasade des Rathauses in Klagenfurt mit gehissten Flaggen von Italien, Österreich, Europa und der Regenbogenflagge
(c) KLAMAG MK

Klagenfurt: Die Stadt unter dem Regenbogen

Wofür steht eigentlich LGBTIAQ+ ? Was bedeutet “queer”, was feiern wir bei der Pride und was hat es mit den Regenbögen in Klagenfurt auf sich? Wir haben uns in der Community umgehört!

Aber: Was hat es mit den Regenbogen-Stickern auf sich, was bedeutet eigentlich „Queer“ und was wird bei der Regenbogenparade gefeiert? Eines sei vorab verraten: Das Ganze ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wie es vielleicht auf Anhieb klingen mag – denn im Prinzip geht es nur um eines: Toleranz. Und vielleicht ein bisschen Liebe.

Wofür steht eigentlich LGBTIAQ+ ? 

LGBTQI+ soll Geschlechter und sexuelle Orientierungen umfassend abbilden: Dabei steht das „L“ für „Lesbian“, das G für „Gay“, „B“ für „Bisexuell“ (oder auch „pansexuell“), „T“ für „Transgender“, das „Q“ steht für „Queer“, „I“ für „Intersexuell“, das „A“ für „Asexuell“ und das „+“ für alles andere, das sich nicht oder noch nicht in Worten oder Buchstaben erklären lässt. Aber auch für Menschen, die sich eben mit dem Geschlecht identifizieren können und möchten, dass sie bei der Geburt zugewiesen bekommen haben, gibt es natürlich ein Wort: Cisgender. Darin liegt nämlich der springende Punkt – die sexuelle Orientierung der Menschen ist vielfältig und lässt sich nicht mit den typischen Unterscheidungen in Heterosexualität und Homosexualität kaum hinreichend unterscheiden.

Sexualität ist sehr viel komplexer, das Mensch-Sein ist viel komplexer. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Person, die beispielsweise als „zugewiesenes“ Mädchen geboren wird, sich auch so fühlt oder als solches bezeichnet werden möchte, sondern sollte dies frei entscheiden können.

We are proud! 

Seit 50 Jahren nutzt diese Bewegung den Begriff „Pride“, um den selbstbewussten und stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen Identität zu beschreiben – auch wenn diese eben von der sogenannten „Heteronormativität“ abweicht. Und genau das feiert man bei der Regenbogenparade, die in Österreich 1996 erstmals in Wien stattfand und es in den letzten Jahren auch immer wieder zu uns nach Klagenfurt geschafft hat – ein klares Zeichen für Gleichberechtigung und Solidarität und damit ganz klar gegen jegliche Diskriminierung. 

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(c) QueerKlagenfurt

Rückblick: Warum die Regenbogenparade wichtig ist

Als am 26. Juni 1996 die erste Parade in Wien vom Schwarzenbergplatz zum Schottentor über die Ringstraße zog, sahen die Dinge noch etwas anders aus. Gab es zu dieser Zeit doch noch drei Strafrechtparagrafen, die Lesben und Schwule bedrohten. Einer davon war der Paragraf 220, der „Werbung für Unzucht mit Personen des gleichen Geschlechts“ unter Strafe stellte. Im Grunde machten sich die Organisatorinnen und Organisatoren der ersten Parade strafbar, weil sie gemäß dem Motto „Sichtbar 96“ mehr Sichtbarkeit für lesbische, schwule und transgender Lebensweisen einforderten.

Erst im März 1997 wurde dann das Werbeverbot aufgehoben, die gleichzeitig zur Abstimmung kommende Aufhebung des Vereinsverbots wurde mit großer Mehrheit angenommen. Sich auszuleben und frei zu lieben war also nicht immer selbstverständlich. Umso wichtiger, dass die Regenbogenparade nun auch abseits großer Städte Anklang und Beachtung findet. 

Und was bedeutet „queer“?

Auch wenn das englische Wort „queer“ übersetzt eigentlich „seltsam“ oder „merkwürdig“ bedeutet, hat sich der Begriff in den letzten Jahren immer mehr zu einem positiven entwickelt und etabliert. Es steht für die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten. Denn auch heterosexuelle Menschen können queer sein, wenn sie nicht in die geschlechtstypischen Rollen passen, nicht passen möchten oder zum Beispiel „nicht in die Norm passende“ Sexualpraktiken ausüben – schließlich geht es ja immer darum, dass eben niemand ausgeschlossen werden soll. 

Klagenfurt: Ein „safe space“? 

Auch am Wörthersee tut sich einiges um die Regenbogen-Community. Mehrere Vereine und Institutionen sorgen dafür, die Thematik nicht nur sichtbar zu machen, sondern sich auch gezielt gegen Diskriminierung einzusetzen und Aufklärungsarbeit zu leisten – denn auch die Stadt am Wörthersee blieb in der Vergangenheit nicht von homophoben Angriffen verschont. Die Vereine „Queer Klagenfurt“, „Queerinthia“, das queer-Referat der ÖH-Klagenfurt auch Insieme Kärnten sind Anlauf- und Netzwerkstellen der Gemeinschaft. Die „Regenbogen-freundlichen“ Orte haben in der Kärntner Landeshauptstadt aber noch Nachholbedarf: „Es gibt viele Vereine, die tolle Events organisieren.

Plakat für die Veranstaltungen Queer Spaces in Klagenfurt
Queer Spaces (c) QueerKlagenfurt

Es findet sich aber leider kein offener Ort, der immer besucht werden kann. Daran muss natürlich gearbeitet werden! Queere Lokale gibt es in Klagenfurt aber: Zum Beispiel Strass, Stadtkrämer oder Palim Palim. Ein gutes Zeichen für eine queerfriendly Ort ist immer eine Regenbogenfahne“, erzählt mir Hannah Tomasi vom Verein Queer Klagenfurt. Ebenfalls sehr aktiv ist die „SoHo Kärnten“ (sozialdemokratische Homosexuelleninitiative), deren unermüdliche Vorsitzende Anna Maria Schuster sich für die Regenbogenbänke in Klagenfurt und anderen Bezirken eingesetzt hat. 

Weitere Informationen zu den Vereinen:

www.queerinthia.at
www.insieme-kaernten.com
www.instagram.com/queerklagenfurt
www.oeh-klagenfurt.at

Strass Bar
Theatergasse 4, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Stadtkrämer
Spitalgasse 1, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Palim Palim
St. Veiter Straße 3, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Verein queer Klagenfurt

Der 2020 gegründete Verein „queer Klagenfurt“ soll als sicherer Ort und Netzwerkstelle dienen. In erster Linie ist der Zweck des Vereins, die Regenbogenparade Kärnten zu organisieren und somit mehr Sichtbarkeit und einen safe space zu schaffen. „Ursprünglich wurde die Regenbogenparade in Klagenfurt von vielen unterschiedlichen Institutionen und Vereinen organisiert. Nachdem die Pride aber Jahr für Jahr größer wurde und wir 2019 über tausend Teilnehmende hatten, erwies es sich als durchaus notwendig, die gesamte Organisation in einem neu gegründeten Verein unterzubringen.

Logo von Queer Klagenfurt in Regenbogenfarben
(c) Queer Klagenfurt

Die Organisation konnte so viel einfacher werden, alle Infos konnten an einem Ort gebündelt werden“ erzählt Sasha Koitz, ebenfalls Mitglied des Vereins und Inhaber des Tattoo-Studios „die Kunststätte“ in Klagenfurt. „Wir bemühen uns mit unserer Antidiskriminierungsarbeit darum, dass der LGBTIAQ+ Community mehr sichere Orte gewährt werden und weniger Stigmatisierung und auch Gewalt passieren. Dafür organisieren wir neben der Pride das ganze Jahr verteilt unterschiedliche Veranstaltungen.“ Das sind zum Beispiel das Abendevent „Queer*Spaces“, Workshops, Filmabende, Spieleabende oder Vorträge. Die Veranstaltungen sind dabei immer zu gesellschaftspolitischen Themen, die nicht nur LGBTIAQ+ Inhalte aufweisen, sondern sich differenzierter mit dem Leben unterschiedlicher benachteiligter Gruppen auseinandersetzen.

Auch auf Radio Agora hat der Verein eine Sendung, in der es regelmäßig interessante Themen rund um den Verein und seine Tätigkeiten zu hören gibt. Unter dem Titel „queer voices“ – jeden ersten Montag im Monat von 19 bis 20 Uhr. 

Zeichnung einer Kassette mit Aufschrift Queer Voices und Radio Agora
(c) Queer Klagenfurt

Klagenfurt darf bunter werden

Wer den Verein queer Klagenfurt kennenlernen möchte, der ist jederzeit herzlich zu den offenen Treffen eingeladen. „Man kann uns immer via Instagram oder Mail erreichen und freuen uns sehr über Austausch“, sagt Hannah Tomasi, die zusammen mit den anderen Mitgliedern jede Person gerne willkommen heißt und wie alle anderen ehrenamtlich für den Verein arbeitet. So geht Klagenfurt also einmal mehr einen Schritt in Richtung Toleranz und Respekt gegenüber allen Menschen. Das große, gemeinsame Ziel des Vereins ist es, Klagenfurt bunter zu machen.

Die ersten Weichen wurden bereits gestellt: Drei Regenbogenbänke – nähe des KELAG-Gebäudes und am Lendkanal – bekennt Klagenfurt bereits Regenbogenfarbe. Auch am Rathaus und hängt heuer erstmals den ganzen Pride-Monat Juni über eine Regenbogenfahne. Das Stadttheater zieht ebenfalls mit und beflaggt ihr Haus.

Vielleicht nehmen wir also die heurige Regenbogen-Fahrradparade am 26. Juni  zum Anlass einen Blick über den Tellerrand zu wagen, uns auszutauschen und neue, interessante Menschen kennenzulernen. Ein Regenbogen ist doch schließlich etwas Wunderbares, oder?

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