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Dreharbeiten zum neuen Klagenfurt-Film
(c) Lagoon Motion Pictures, Leon Bernhofer

Klagenfurt von seiner besten Seite: Ein Clip geht um die Welt

David Hofer ist sicherlich einer der umtriebigsten Filmemacher Kärntens: Von der spektakulären Doku bis zum gesellschaftskritischen Drama beschäftigt er sich akribisch mit der jeweiligen Materie und bewegt sich virtuos durch alle Genres. Mit Klagenfurt: Alles kann, nichts muss ist ihm und seinem Team im Auftrag der Tourismusregion Klagenfurt sein bisher größter Wurf gelungen. Und der ging völlig unverhofft um die Welt.

In 2’ 23’’ zeigt er Klagenfurt von seiner besten Seite. Und schmeißt dabei alles über Bord, was in den letzten Jahren rund um den Wörthersee touristisch produziert wurde. Schnelle Cuts, atemberaubende Aufnahmen, gepfefferter Soundtrack und eine ordentliche Prise Ironie: Klagenfurt kann mehr als nur Wörthersee und Lindwurm

Das überzeugte auch die internationale Fachwelt. Ausgezeichnet wurde das charmante Video bisher mit zwei der begehrtesten Preise in der Tourismuswerbung, dem Silbernen Delphin bei den Cannes Werbe & TV Awards in der Kategorie „Tourismus“, sowie dem Golden City Gate vergeben von der internationalen Tourismusbörse in Berlin. Aktuell kam jetzt noch ein Preis des “Tourismus Film Festivals” in Cappadocia, Türkei dazu.

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Ich habe David Hofer zum Interview getroffen und mit ihm über ALLES KANN, NICHTS MUSS gesprochen, sein künstlerisches Arbeiten reflektiert und ihn nach seinem Lieblingsplatz in Klagenfurt gefragt.

Simon: Lieber David, vorab: Gratulation zum bahnbrechenden Erfolg von ALLES KANN, NICHTS MUSS. Dass dieses Video derart durch die Decke geht, kann man schwer vorausplanen. Was stand ganz am Anfang dieser unglaublichen Geschichte?

David Hofer: Danke! Wir konnten es anfangs selbst kaum glauben, dass die Sache derart explodiert. Angefangen hat alles eigentlich mit einem ganz anderen Video. Anlässlich der Wiedereröffnung der Gastronomie im Frühjahr 2020 haben wir unsere Vorfreude auf ein frisch gezapftes Bier zum Ausdruck gebracht. Auf sehr humoristische Weise, mit befreundeten Schauspielern und tollen Aufnahmen. Bereits diese Spaßaktion hat sich viral im Internet verbreitet. Und wenige Tage danach habe ich auch schon einen Anruf von Helmuth Micheler (Chef der Tourismusregion Klagenfurt am Wörthersee) erhalten.

Simon: Liebe auf den ersten Click?

David Hofer: Sozusagen. Er hat das Video gesehen und mir gratuliert. Kurz darauf war klar, dass dieser Ansatz genau in das Konzept der Tourismusregion passt. Etwas Leichtes, Dynamisches, das die Leute zum Lachen bringt, sie motiviert. Das traf einen Nerv, gerade damals gegen Ende des ersten Lockdowns. Wir hatten dann einen guten Monat Zeit, uns was einfallen zu lassen.

„Klagenfurt ist nicht New York.“

Simon: Wie stampft man dann eine derart geniale Idee aus dem Boden?

David Hofer: Klagenfurt ist nicht New York, wo jede Straßenecke eine Filmkulisse sein könnte. Geile Plätze gibt es dennoch in Hülle und Fülle. Wir wollten uns aber in erster Linie auf die Story konzentrieren. Mit Walter Grill, Michael Kuglitsch und Manfred Plessl arbeite ich seit Jahren eng zusammen. Da weiß jeder was der jeweils andere will und kann. Wir können uns blind vertrauen. Nach und nach ist dann die Geschichte gewachsen. Der finale Clou mit dem Hotelzimmer ist uns allerdings erst drei Tage vor Beginn der Dreharbeiten eingefallen. Just in time, was will man mehr.

Simon: Künstler lieben es, verglichen zu werden (Achtung: Ironie!). Hängt dir der Vergleich mit The Hangover (von Todd Phillips) bereits zum Hals heraus?

David Hofer: Naja, wir haben ja eigentlich ganz was anderes gemacht. In The Hangover betrinken sich die Hauptfiguren und wissen danach nicht mehr, was am Abend zuvor geschehen ist. In ALLES KANN, NICHTS MUSS ist es ja genau umgekehrt. Wenn unser Klagenfurt-Besucher am Abend ins Bett fällt ist er natürlich auch trunken, aber erlebnistrunken. Das Erlebte ist für ihn ein wahrer Flash. Betrunken ist er eigentlich nie. In einer einzigen Szene sieht man ihn mit einem Longdrink in der Hand, mehr nicht. Aber viele Zuseher*innen assoziieren das automatisch mit The Hangover. Über die Reaktion des Publikums hat man als Filmemacher keinen Einfluss mehr. Genauso wie man Erfolg nicht planen kann.

„Film ist komprimierte Wirklichkeit.“

Simon: Ihr habt ja an vielen unterschiedlichen Orten in und um Klagenfurt gedreht. Wie lange wart ihr unterwegs?

David Hofer: Bis auf den Fallschirmsprung war das ganze Material in zwei Tagen abgedreht. Es waren übrigens die zwei heißesten Tage des Jahres. Aber es hat sich ausgezahlt so richtig ins Schwitzen gekommen zu sein. Mit dem Drehbuch hatten wir den roten Faden, trotzdem ließen wir uns viel Raum für Improvisation. Vor allem bei der Wahl der Drehorte. Wir waren in einem sehr kompakten Team unterwegs. Max Ehrlich und ich hinter der Kamera, unser Hauptdarsteller Michael Kuglitsch und die Produktionsleiterin Katrin Pischounig. Dadurch konnten wir schnell und effizient arbeiten, ohne große Umbaupausen oder komplexe Logistik. An den meisten Orten hielten wir uns nicht länger als 20 Minuten auf. Der erste Take hat meistens gesessen.

Simon: In Kärnten kennt man Tourismuswerbung häufig als idyllische Filme mit Panoramaaufnahmen, Sonne, Seen und Berge. Also mit Fokus auf die Landschaft. Ihr dreht den Spieß komplett um und stellt den Besucher in den Mittelpunkt, seine Erlebnisse, seine Sicht auf Klagenfurt.

David Hofer: Ja, das war eine unserer Vorgaben an uns selbst, ein Video zu gestalten, das auch Kurzfilmqualität hat. Also für sich selbst steht und eine Geschichte erzählt. Mittendrin im Geschehen, mittendrin in der Klagenfurt-Experience. Deshalb haben wir auch ganz bewusst auf Drohnenaufnahmen verzichtet. Die sieht man in letzter Zeit ja immer und überall. Da wollten wir uns doch etwas abheben von dieser Bildästhetik und etwas Überraschendes vorlegen.

Simon: Wer Klagenfurt besucht, muss also auf alles gefasst sein?

David Hofer: Klagenfurt bietet viel mehr als nur See und Lindwurm. Natürlich ist unsere Darstellung überzeichnet und nur die wenigsten Besucher werden die Stadt so erleben, wie unsere Hauptfigur. Aber Film und ist halt genau das: komprimierte Wirklichkeit.

„Diese Idee will ich dann auch durchsetzen, auf die Gefahr hin, das Drehbuch komplett über den Haufen zu werfen.“ 

Simon: Mit dem Silbernen Delphin bei den Cannes Werbe & TV Awards und dem Golden City Gate vergeben von der internationalen Tourismusbörse in Berlin habt ihr zwei der wichtigsten Preise in der touristischen Werbebranche abgeräumt. Wie geht es jetzt weiter?

David Hofer: Lange auf unseren Lorbeeren ausruhen werden wir uns nicht. Es ist bereits ein zweiter Teil in Zusammenarbeit mit der Tourismusregion angedacht. Die Dreharbeiten sollen voraussichtlich im Frühsommer stattfinden. Aber dazu kann ich noch keine Details verraten.

Simon: Wie gehst du an Projekte heran? Was interessiert dich und wie selektierst du?

David Hofer: Grundsätzlich bin ich nicht wählerisch. In letzter Zeit habe ich sehr viele Dokumentationen gemacht etwa für ServusTV, Arte oder 3sat. Daneben mache ich auch ganz klassische Werbefilme. Die Langfilme bei denen ich Regie führe und am Script arbeite, verhandeln hingegen tiefgründige, gesellschaftskritische Themen mit hohem ästhetischen Anspruch. Aber egal ob im Schnitt oder in der Regie, wichtig ist mir immer, dass ich ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit behalten kann. Wenn ich mich in ein Projekt einarbeite, habe ich den fertigen Film meist schon vorab im Kopf. Diese Idee will ich dann auch durchsetzen, auf die Gefahr hin, das Drehbuch komplett über den Haufen zu werfen. 

Simon: Du hältst dich nicht allzu gern an Regeln?

David Hofer: Film ist meine Leidenschaft. Und ganz konkret der Schnitt. Beim Schneiden des Rohmaterials gibt es beinahe unendlich viele Möglichkeiten. Und jede einzelne davon will durchgespielt sein. Zumindest vor meinem inneren Auge. Diese Freiheit ist es, die mich irrsinnig motiviert. Sie hält mich geistig am Leben. Malen nach Zahlen ist nichts für mich.

Simon: Welche Ansprüche stellst du als Filmemacher an dich selbst?

David Hofer: Gute Frage. Vor allem geht es mir darum, gute Geschichten zu erzählen, die authentisch sind. Ich muss irgendeinen Bezug zum Erzählten herstellen können. Sei es durch meine eigenen Erfahrungen oder durch Erlebnisse im Bekanntenkreis. Bereits beim Lesen des Stoffes muss sich für mich der Film im Kopf ergeben. Sei es als Regisseur oder als Cutter, ich muss mich identifizieren können mit dem Stoff, dann kommt die Inspiration mehr oder weniger von selbst.

„Das sollte auch die Aufmerksamkeit der Produzenten auf sich gezogen haben. Vielleicht klopft ja bald einer an meine Tür.“

Simon: Man spürt, du brennst für den Film. War das immer schon so?

David Hofer: Ja. Film interessiert mich seit meinen Kindertagen. Beruflich habe ich allerdings einige Umwege hinter mir. Bevor ich vom Filmemachen leben konnte, habe ich in einer Wäscherei und am Bau gearbeitet. Außerdem war ich Tellerwäscher. Zum Millionär hat es aber noch nicht gereicht (lacht).

Simon: Als Filmemacher in Kärnten wird es mit den Millionen wahrscheinlich noch etwas dauern.

David Hofer: Wir sind grundsätzlich nicht schlecht aufgestellt. Die Carinthia Film Commission ist eine wichtige Institution um das Filmschaffen im Land voranzutreiben. Trotzdem ist Kärnten nicht Hollywood, das ist ganz klar. Ich würde mir ab und zu mehr Mut von Seiten der Produzenten wünschen. Ambitionierte Projekte gäbe es genug. Mit ALLES KANN, NICHTS MUSS hat die Tourismusregion Klagenfurt am Wörthersee anständig Mumm bewiesen und dadurch für internationales Aufsehen gesorgt. Das sollte auch die Aufmerksamkeit der Produzenten auf sich gezogen haben. Vielleicht klopft ja bald einer an meine Tür. Man weiß ja nie.

Simon: Woran arbeitest du gerade?

David Hofer: Flo Lackners WHITE CHRISTMAS, der Anfang des Jahres in Klagenfurt gedreht wurde, ist fertig geschnitten. Der wird, so alles gut geht, im Winter in die Kinos kommen. Und dann arbeite ich gerade an zwei eigenen Langfilmen. Der eine wird DAHAM heißen, ein Mysterythriller der von einer kollabierenden Liebe in der Kärntner Provinz erzählt. Das Drehbuch dazu ist fertig und wir suchen derzeit einen Produzenten. Das zweite Projekt wird das Thema Alkoholsucht behandeln, aber viel mehr kann ich dazu noch nicht sagen.

Simon: Als geborener Klagenfurter kennst du die Stadt wie deine Westentasche. Wo findest du Inspiration, Ruhe, Abwechslung?

David Hofer: In Gesellschaft guter Freunde ist mir der Ort eigentlich egal. Aber ich bin doch relativ oft in meinem Stammlokal, dem Gates. Dort kenne ich die Leute und sie kennen mich. Da kann ich gut abschalten. Ansonsten spaziere ich gerne durch die Innenstadt. Klagenfurt hat eine wunderschöne Altstadt mit versteckten Innenhöfen und vielen wunderbaren Plätzen. Da gibt es immer irgendetwas Neues zu entdecken. So ein spontaner Spaziergang tut der Kreativität ganz gut.

Simon: Spontan ist unser Stichwort! Zum Abschluss noch ein kleiner Wordrap. Schnelle Antworten auf knappe Fragen.

Ein Film, den ich in- und auswendig kenne ist…
No Country for Old Men.

Mein Lieblingsregisseur ist…
Danny Boyle.

Wenn ich ein Hollywood-Budget hätte, würde ich…
sofort DAHAM machen.

Nach Drehschluss trinke ich am liebsten…
ein kleschkaltes Bier.

Hier lässt es sich in Klagenfurt am besten feiern…
zur Zeit bei mir zu Hause (lacht).

Wenn ich ganz elegant essen gehen möchte, gehe ich ins…
151 Bistro Bar.

Diesen Sport lass ich mir nicht nehmen…
zur Zeit Ausdauertraining zu Hause, eine viertel Stunde am Tag, viermal die Woche.

Wenn ich abschalten will, dann höre ich…
Ennio Morricone.

Klagenfurt ist für mich…
Ruhepol und Heimat.

Klagenfurt pulsiert, und dank David Hofer weiß das nun die ganze Welt. Mit ALLES KANN, NICHTS MUSS ist eine perfekte Symbiose aus Kreativität, Mut zum Ungewöhnlichen und touristischen Ambitionen gelungen. Man darf gespannt sein, welche Kreise diese Produktion noch ziehen wird. Es lohnt sich jedenfalls, David Hofer in Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes am Schirm zu behalten.

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David Hofer

Geboren 1979 in Klagenfurt, Autodidakt, seit 2005 hauptberuflicher Editor, Kameramann, Regisseur und Schauspieler. Lebt und arbeitet in Klagenfurt und Wien.

Filmauswahl
2021 – WHITE CHRISTMAS (Schnitt)
2020 – ALLAN (Kurzfilm; Regie, Schnitt)
2018 – TRAMAN (Regie, Schnitt)
2018 – MANASLU – Berg der Seelen (Schnitt)
2016 – VALOSSN (Regie, Schnitt)
2014 – STREIF: ONE HELL OF A RIDE (Schnitt)

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