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Die Gründung liegt weit zurück – Traditionsfirmen in Klagenfurt

Geschichte macht sexy. Firmen, die sich über viele Jahrzehnte halten, werden gerne als „Traditionsunternehmen“ bezeichnet. Damit ist allerdings weitaus mehr gemeint als der Faktor Langlebigkeit.

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Unter Tradition versteht man im Allgemeinen die generationenübergreifende Weitergabe von Ideen, Handlungsmustern und Überzeugungen. Im Speziellen für Firmen ergibt das ein individuelles, unverwechselbares Profil, oft auf Basis der Werte der Eigentümerfamilie. Auch in Klagenfurt finden sich gleich solch ehrwürdige, bis heute unglaublich erfolgreiche Geschäftsmodelle – über einige davon dürfen wir Ihnen ein bisschen mehr berichten.

Neuner – immer gut beschuht

Einen Klagenfurter, eine Klagenfurterin, die nie stolz Neuner-Schuhe probiert haben, muss man wohl mit der Lupe suchen. Die Erben der Familie jedenfalls halten im Schuhhaus Neuner in der Priesterhausgasse und bei Neuner & Co in den City Arkaden die Fahne der Lederwaren hoch.

Begonnen hat alles im Jahr 1792, als Christof Neuner der Ältere aus Oberfranken nach Kärnten wanderte, um in der Klagenfurter Innenstadt eine Riemenmeisterstelle anzutreten. Riemer erzeugten damals Gürtel und Gurte, lederne Wassereimer zur Brandbekämpfung, Geschirre für die Zugtiere und Riemen jeder Art, für Schuhe, Trommeln, Dreschflegel.

Jedenfalls eignete Herr Neuner rasch und tüchtig bald eine Gerberei nebst Lederwarenfertigung. Sein Enkel Christof Julius Neuner (1838-1910) erweiterte den Betrieb; 1853 konnte in der St. Veiter Straße eine neue Produktionsstätte eröffnet werden. Als Bürgermeister und wichtiger Förderer kultureller Einrichtungen nahm Christof J. Neuner auch Anteil am öffentlichen Leben, er begleitete und beeinflusste maßgeblich das Aufblühen der Stadt Klagenfurt.

Nach seinem Tod blieb die Lederfabrik im Besitz der Familie und konnte weiterhin Erfolge verbuchen. Bereits im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs wurde allerdings auf die Fabrikation von Schuhen umgestellt, denn durch den Siegeszug des Autos ging der Bedarf an Sattlerwaren stark zurück.

Seit den 1960er Jahren veränderte sich die Strategie des Unternehmens immer mehr in Richtung Handel, die junge Generation der weitverzweigten Lederdynastie Neuner setzt ihre Kreativität in den schicken Geschäften ein.

Neuner & Co
Adresse: Heuplatz 5, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43 463 502389
Webseite: www.city-arkaden-klagenfurt.at/shops/neuner/

Schuhhaus Christof Neuner
Adresse: Priesterhausgasse 10, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43 463 55694

Grüner – le dernier cri

Gegründet wurde die Firma im Jahr 1868, damals unter dem Namen Grüner & Homschack, mit Sitz am Neuen Platz Nummer 7. Bereits ein Jahr später bezog Ferdinand Grüner das Haus Burggasse 17/Bahnhofstrasse 14, wo wir bis heute in modischer Eleganz schwelgen dürfen.

Damals bot Herr Grüner in seinem Geschäft so genannte „Galanteriewaren“ an, die kleinen, bedeutungsvollen Accessoires, die ein Outfit vervollkommnen: Knöpfe, Schnallen, Schals, Fächer, Bänder, Kragen und vieles mehr.

Sohn Gustav und dessen Frau Emilie Grüner ersannen zu Anfang des 20. Jahrhunderts die repräsentative Gestaltung des Hauses. Die Geschäfte florierten bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Als ihr Sohn Gustav von der Front heimkehrte, stand er vor den Trümmern des durch Bomben zerstörten Hauses, das Geschäft war nach dem Tod seiner Eltern gesperrt worden.

Im Zuge des tapferen Wiederaufbaus wurde umgebaut, erweitert und renoviert, Filialen entstanden.

Seit den 1950er Jahren haben wieder Generationen von Grüners Kraft, Disziplin und vor allem herausragenden Geschmack und Stilgefühl in die Geschicke des Modehauses investiert. Heute ist das geschichtsträchtige Haus Grüner nach über 150 Jahren mit seiner Multimarken-High-End-Philosophie eine der allerersten Adressen in Österreich.

Grüner Damen und Herren
Adresse: Burggasse 15-17, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43 463 501770

Grüner
Adresse: Kramergasse 3, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43 463 57 222 24
Webseite: www.gruener.at

Zehrer – die Wonnen der Spezereien

Süß, süßer, am süßesten. Bei Zehrer geben sich Leckermäulchen, Patissiers, Hobbybäcker und Romantiker die Klinke in die Hand. Ja, Romantiker auch, denn die Auswahl an hübschen jahreszeitlichen Dekorationen und Kerzen in allen Farben und Formen ist berückend.

Als Wachszieher und Lebzelter (zwei in der Vergangenheit eng verwandte Gewerbe, die beide auf der Verwendung von Bienenprodukten beruhten) begann Dominikus Zehrer 1763 mit seinem Betrieb. Bis in die 1950er Jahre wurden hier händisch Kerzen gegossen und gezogen und anschließend in der „Wachsbleiche“ in der Kaufmanngasse hinter dem Stammhaus am Alten Platz zum Bleichen in die Sonne gelegt, um die als elegant geltende Elfenbeinfarbe zu erreichen.

Bald ergänzte man das Unternehmen mit einer Zuckerbäckerei, die sich auf die Herstellung raffinierter Genüsse wie Kandiertes, gesponnener Zucker und begehrter türkischer Honig spezialisierte und damit vorwiegend Jahrmärkte belieferte.

Die Besitzer wechselten selten, der Ruhm der Firma blieb. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb Karl Auprich, der Großvater bzw. Urgroßvater der heutigen Eigentümer Dr. Peter und Philipp Nimmervoll, das Geschäft.

In der Zwischenkriegszeit begann man mit dem Großhandel und Versand der Süßwaren und Kerzen. Im großen Stil wurden Gastronomiebetriebe, Bäckereien, auch Schulbuffets mit firmeneigenen Lieferwagen österreichweit versorgt. Heute sorgen die schnellen Paketdienste über Nacht für den Empfang der Bestellung.

Neben feinen Pralinen wartet ein Sortiment von über 100 Schokoladenarten (es gibt sogar welche mit 100% Kakaoanteil!) und ein ganzes Arsenal von Back-Utensilien, Hardware wie Formen und Förmchen, geschickte Küchenhelfer und Software wie Glasuren, Mischungen, duftende Gewürze, Trockenfrüchte und Tortenschmuck für jeden Anlass.

Im Advent, die Zeit für’s Backen – und für Kerzen – schlechthin, werden sich Klagenfurter Kinder wie zahllose vor ihnen am Zehrer-Schaufenster die Nase plattdrücken, wie der grimmige, überlebensgroße Krampus dank elektrischer Steuerung seine Augen rot aufleuchten lässt und die Weidenrute schwingt. Wenn man genau schaut, sieht man ihm sein Alter ein bisschen an, er dürfte mittlerweile ein flotter Sechziger sein …

Dominikus Zehrer GmbH
Adresse: Alter Platz 7, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43 463 512 512
Webseite: www.zehrer.at

Wenger – kleine Körner, große Wirkung

Wir bleiben beim Kulinarischen: Mehr scharf und pikant aber ebenfalls unverzichtbar in der Küche erweisen sich seit über 130 Jahren die vielen geschmackvollen Senf-Sorten der Firma Wenger – ohne etwas herausfordernde Würze wär’s doch langweilig im Leben!

Senf wird aus teilweise entölten oder auch aus nicht entölten, geschälten oder nicht geschälten gelben, braunen oder schwarzen Senfkörnern oder aus Gemischen dieser Körner unter Verwendung von Wasser, Essig und/oder Genusssäuren, Salz und Gewürzen sowie Farbstoffen hergestellt.

Senfkörner sind eine uralte Saat, bereits die Völker der Antike nutzten sie als Gewürz und zu medizinischen Zwecken. Vor 4000 Jahren wurde der Senf in altindischen Schriften und bei den Sumerern erwähnt. In chinesischen Aufzeichnungen kommt er um 1000 vor Christus vor und auch die christlichen Evangelien weisen Stellen auf, die sich auf Senfkörner beziehen.

1886 reiste der Kärntner Coelestin Wenger nach Dijon, bis heute Metropole der Senf-Erzeugung, um sich umfassende Kenntnisse und Rezepte der aromatisch würzigen Pasten anzueignen. Er kehrte mit den Anleitungen und Tipps der Franzosen im Gepäck heim und legte in Klagenfurt den Grundstein für die Senfmanufaktur Wenger. Mit den erlesensten Zutaten aus aller Welt, Handarbeit, hohem Anspruch und eisernem Willen zum Erfolg machte er sich ans Werk.

Auch heute noch wird der vielfach international mit Goldmedaillen ausgezeichnete Wenger Senf nach bewährter Überlieferung hergestellt: Natürlich von Hand, nach den alten Original-Rezepten, immer mit ausgewählten Rohstoffen und Ingredienzien wie der hoch qualitativen kanadischen Senfsaat, in Fässern aus Akazienholz – und mit Hingabe an das Produkt und seine Möglichkeiten. 2017 ging die Manufaktur vom Urenkel des Gründers an Benjamin Sintschnig.

Einladend blinken die goldfarbenen Tuben, die köstlichen Sorten – darunter der recht patriotisch benannte „Lindwurm-Senf“, perfekt zu Leberkäs und Würsteln aller Art – gibt es aber auch in schweren, kühlen Steinguttöpfchen, attraktives, pragmatisches Mitbringsel, zum Beispiel zur Grillfeier.

Wenger Senf
Adresse: Lastenstrasse 40, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Telefon: +43463 345000
Webseite: www.wengersenf.at

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Stroh – ein Schlückchen in Ehren

Trinkt heute eigentlich noch jemand „Rüscherl“? In meiner Kärntner Jugend wurden die jedenfalls ausschließlich mit Stroh-Rum gemixt (was die Folgen leider nicht weniger unabsehbar machte).

Als Sebastian Stroh 1832 seine ersten Schnäpse brannte, setzte er den Grundstein für eine gewaltige Erfolgsgeschichte: Fast zwei Jahrhunderte lang behauptet Stroh sich am Markt.

Die Geschichte des Stroh Inländer Rums reicht bis in die Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie zurück. Zu dieser Zeit erhielt die Besatzung der k.u.k. Flotte nicht nur als Motivation, sondern auch aus medizinischen Gründen eine tägliche Ration Rum verabreicht. Erst 1970 wurde mit dieser Seefahrertradition gebrochen und die tägliche Rum-Ration – unter heftigem Protest der Matrosen – abgeschafft.

Den hochprozentigen Produkten des Familienbetriebes Stroh eilte bald ihr guter Ruf voraus. Bei der Pariser Weltausstellung 1900 wurde man mit der „Großen Goldmedaille“ ausgezeichnet.

Warum eigentlich „Inländer“ Rum? Das hat sich wohl jeder schon einmal gefragt, der die typische Flachmann-Flasche mit dem orangen Etikett aus dem Regal geholt hat.

Echter Rum war ein teurer Spaß, der Rohstoff Zuckerrohr in Österreich aus Ermangelung an Kolonien nur sehr schwer und hochpreisig zu haben. Also komponierte man ein heimisches Surrogat aus den heimischen Zuckerrüben.

Heute ist der Inländer Rum eine geografisch geschützte österreichische Spirituose (das heißt, das eine Stufe der Produktion in der Region erfolgen muss), die aus Zuckerrohrmelasse und Aromen hergestellt wird. Die Rezeptur ist streng geheim und wird noch immer von der Familie Stroh produziert und in Klagenfurt abgefüllt.

In den 1970er Jahren erlangte die Marke unter der Führung von Hanno Maurer-Stroh internationale Aufmerksamkeit und wird auch aktuell noch in über 40 Ländern vertrieben.

1995 wurde sie an die deutsche Eckes AG verkauft, die sie 2007 an die Stock Spirits veräußerte. Ein Jahr später wagte der langjährige Stock Austria-Geschäftsführer Harold Burstein einen Management Buy Out. Seitdem wird Stroh wieder erfolgreich vom Eigentümer geführt und der Internationalisierungskurs fortgesetzt.

STROHRIGINAL
Adresse: Strohgasse 6, 9020 Klagenfurt in Klagenfurt
Telefon: +43 463 281860
Webseite: www.stroh.at

Ganz zum Schluss noch eine sentimentale Erwähnung zu den Traditionsfirmen in Klagenfurt. Die Firma Das Antiquitäten- und Juwelengeschäft Fritz Prauses Erben mit Sitz an der Südseite vom Neuen Platz, das mein Großvater 1919 in Klagenfurt gegründet hat, wurde 2020 geschlossen.

„Wir kaufen in vornehm diskreter Weise Brillanten, Gold- und Silberschmuckstücke, künstliche Zähne und Gebisse sowie kunstgewerbliche Altertümer wie Porzellan, farbige Gläser, Elfenbeinschnitzereien, Bilder etc.“ (Annonce in: Freie Stimmen, 20. Dezember 1919).

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