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(c) Kärnten Werbung, Tine Steinthaler

Die Osterwoche in Klagenfurt

Was allseits bekannt ist, zieht jedes Jahr zahlreiche Menschen in den Bann: Kein anderes Bundesland Österreichs feiert Ostern so besonders und ausgiebig wie Kärnten. Auf welche typischen Bräuche man dabei stößt und was es sonst nirgendwo anders gibt, verraten Kenner der heimischen Tradition wie Food-Bloggerin Tici Kaspar.

Man könnte fast annehmen, dass die Kärntner Ostern erfunden hätten, so vielfältig sind die Traditionen rund um das religiöse Fest im Frühling. Von der Kunstinstallation bis zum Eierscheiben und Räuchern ist alles dabei. Immer wieder spannend: Da und dort tauchen auch noch witzige Eigeninitiativen auf, die man an versteckten Plätzen entdecken kann.

Fastentuch im Dom

Wie jedes Jahr beherbergt der Klagenfurter Dom in der Fastenzeit ein besonderes Schauspiel aus der Kunstwelt. Dieses Jahr haben sich die Künstler Markus Hanakam und Roswitha Schuller, eine gebürtige Kärntnerin, mit dem Thema der Unschärfe auseinandergesetzt. Das aus der Optik bekannte Phänomen wird im Japanischen „Bokeh“ genannt und verleiht der eindrucksvollen Installation im Sakralraum seinen Namen.

Die Kunst im Dom 2021 will den Fokus auf die unscharfen Bereiche im Leben richten und unterstützt die kirchliche Fastenzeit als Programm der Reduktion zur Neuorientierung. Der Klagenfurter Dom ist allemal einen Besuch Wert – mit dem Selbstwahrnehmungsprozess der „Bokeh“ um eine Nuance reicher. 

(c) KK

Kirche mal outdoor

Wo bereits in den Jahren zuvor der Platz in den kleineren Landkirchen zu eng wurde, fand die Segnung der Fleischweihe im Grünen rund um die Kirche statt. Corona zum Trotz stellt sich die katholische Kirche ihrer Aufgabe, Brauch und Glauben erlebbar zu machen. 

„Ab sofort kann man in der Dompfarre Weihwasserflaschen für ältere Menschen abholen, um mit dem Mitbringsel auch gebrechlichen Nachbarn eine Freude zu bereiten“, so Dompfarrer Peter Allmaier.

Bei Schönwetter finden Segnungen und Gottesdienste mit Peter Allmaier und Diözesanbischof Josef Marketz im Herzen von Klagenfurt am Domplatz statt. Bei Schlechtwetter werden manche Hochämter sogar aus dem Dom via Livestream übertragen. Gesegnete Palmzweige, ein Kreuz und der Weihkorb sind Zeichen des österlichen Brauchtums.

(c) Kärnten Werbung, Steinthaler

Palmbuschen

Das Wochenende des Palmsonntags läutet die Osterferien ein. Zu diesem Anlass werden in ganz Kärnten Palmbuschen gebunden. Manch einer verziert sie mit bunten Bändchen, andere stecken Salz- oder Schokobrezeln darauf. Immer mit dabei: zuvor ausgeblasene und bunt bemalte Eier! Generell gilt am Land: Je größer der Hof, desto größer sollte der Palmbuschen sein.

Tipp: Für die Palmbuschen werden Palmzweige vor der Blüte geschnitten und kühl gelagert. Für den geflochtenen Griff werden Weidenzweige verwendet, die gleich behandelt werden, um sie geschmeidig und saftig zu bewahren. Wie man einen richtig anschaulichen Palmbuschen bindet, weiß Siegfried Schatz aus dem Lavanttal.

Um die Abstandsregel von 2 Metern zu Personen aus anderen Haushalten einhalten zu können, gibt es heuer so viele Palmsegnungen wie noch nie! Das Tragen einer FFP2-Maske ist durchgehend notwendig. Hier geht es zu den aktuellen Terminen der katholischen Kirche für Palmsegnungen, Speisensegnungen und der Feuerweihe.

(c) Kärnten Werbung, Franz Gerdl

Traditionelle Osterjause in Kärnten

Nach 40 Tagen Fastenzeit – beginnend mit dem Aschermittwoch – ist die Vorfreude auf die traditionelle Kärntner Osterjause groß. So wundert es nicht, dass kaum ein anderes Fest in Kärnten derart intensiv mit Kulinarik verbunden ist wie Ostern. Und am reichlich gedeckten Ostertisch spiegelt sich die bunte Vielfalt der Kärntner Köstlichkeiten eindrucksvoll wider.

Während sich die einen ihren Weihkorb am Benediktinermarkt zusammenstellen, behelfen sich andere entspannt mit boomenden Take-Away-Arrangements. Zahlreiche Angebote aus Stadt und Land lassen die Osterjause zu einem lukullischen Höhepunkt im Jahr werden.

Osterjause, Schinken, Kren, Eier, Ostern, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
(c) Kärnten Werbung, Michael Seyer

Osterschinken, Selchwürstln & Co.

Keinesfalls fehlen darf der “gselchteSchinken. Er wird in einem Stück gekocht und dann in dünnen Scheiben serviert. Nach sechs Wochen Fastenzeit und Verzicht auf Fleisch, ist dieser eine wahre Gaumenfreude! 

Auch der Schinken im Brotteig ist ein echter Geheimtipp aus dem Oberkärntner Raum, der mit Roggenbrot besonders gschmackig wird. Da das Fleisch nicht zu mager sein darf, verwenden die Bäuerinnen zum Füllen gerne einen Schopfroller.

Ländliche Besonderheiten sind der „Wunter“ aus dem Gailtal, der von einigen wenigen Bäuerinnen als Rarität zubereitet wird. Für diese Spezialität wird eine Wurstmasse in einen Schweinemagen gefüllt, geselcht und gekocht. Diese einmalige Kärntner Kindheitserinnerung wird am Karsamstag nach der Fleischweihe in saftige Scheiben geschnitten und mit Eierkren und dem Kärntner Reindling serviert.

Einen fixen Platz am österlichen Jausentisch haben Würste. Traditionellerweise werden gekochte Selchwürste gereicht, die gemeinsam mit Kren oder scharfem Senf ihre himmlisch pikante Note entfalten.

Aber was wäre ein Osterfest ohne einen Reindling? Der Reindling ist das Kernstück der Feierlichkeiten. Diese typische Kärntner Spezialität mit einer Zimt-Zucker- und Rosinenfüllung darf auf keinem Tisch fehlen. 

Vom Spinat zur Fleischweihe – die Karwoche

Wer in der Fastenzeit nicht auf Fleisch verzichten konnte, hält es mit der verkürzten Variante und beginnt spätestens Mitte der Karwoche damit. 

Am Gründonnerstag wird traditionell Spinat mit Spiegelei gegessen – vorher in vielen Haushalten noch alles sauber gemacht. Abends wird nicht nur im Klagenfurter Dom (18 Uhr) die Heilige Messe vom Letzten Abendmahl gefeiert.

Am Gründonnerstag verstummen auch die Kirchenglocken. Im Volksmund sagt man: „sie fliegen nach Rom“ – und läuten erst wieder am Karsamstag zur Auferstehung. Viele Kinder freuen sich zu Ostern auch auf das zusätzliche Geschenk der Taufpatin oder vom Taufpaten. Früher gab es das in Form eines Reindling mit einem Geldstück und zwei roten Eiern.

Der Aberglaube bewegt einige Menschen dazu, am Karfreitag keine Erdarbeiten zu verrichten und auch keine Wäsche zu waschen. Traditionell wird auch der Osterhaufen an diesem Tag errichtet. Der Karfreitag ist mit der Sterbestunde Jesu und der einhergehenden Trauermette der besinnlichste Tag im Jahr für Christen.

Am Karsamstag wird frühmorgens am Domplatz mit einer großen Feuerschale die Feuersegnung vollzogen. Dafür werden trockene Baumschwämme verwendet. Vereinzelt wird damit zu Hause noch das Herdfeuer angezündet und traditionell der Osterschinken gekocht. Über die Mittagszeit werden die zahlreichen Fleischweihen mit prall gefüllten Weihkörben abgehalten und abends zu den Klängen von „Das Grab ist leer“ das Hochfest zur Auferstehung gefeiert. Für letztere braucht es heuer Corona-bedingt bis um 12 Uhr am Vortag eine Anmeldung unter 0463 54950.

(c) KK

Das traditionelle Osterfeuer wirkt auf viele bereinigend. Über die Glut, die am Ende übrig bleibt, springt so mancher seit Jahrhunderten zur Mutprobe. Heuer ist es in Kärnten tagsüber untersagt und nur in der Nacht auf den Ostersonntag erlaubt. Daran teilnehmen dürfen heuer auch nur Personen aus dem selben Haushalt.

Auf Nest- und Eiersuche gehen alle am Ostersonntag, dem höchsten Feiertag der katholischen Kirche.

Kreative Kirche

„Der Karfreitag ist der höchste Feiertag in der evangelischen Kirche“, betont Lutz Lehmann, amtsführender Pfarrer an der Johanneskirche in Klagenfurt und weiß um die Bedeutung des Karfreitags: „Ohne Kreuzigung gibt es keine Auferstehung. Dass das Kreuz lebendig wird, liegt an jedem einzelnen.“

Zu dieser Zeit wird auch jedes Jahr bei den Evangelischen eine neue Osterkerze eingeweiht. Da lässt es sich Lehmann als kreativer Mensch nicht nehmen, die Motive selbst zu gestalten und damit auf aktuelle wie historische Themen Bezug zu nehmen. Heuer verwendet Lutz Lehmann dafür ein berühmtes Motiv von Da Vinci: Das letzte Abendmahl.

Entlehnt vom neu interpretierten Abendmahl des schwedischen Künstlers Henrik Strömberg, verwendet Lehmann für die Darstellung Buntstifte. Seine Idee: „Jeder einzelne trägt seine Farbe zum Glauben bei. Das ist gelebte Kirche!“ Jeder sei in diesen schwierigen Zeiten selbst gefordert, nachzudenken. „Kirche ist, was jeder einzelne dazu beiträgt.“

(c) Henric Strömberg

Gelebte Tradition

Das bestickte Weihtuch bedeckt den Osterkorb, der mit Selchfleisch, Brot, Salz, Eiern und vielem mehr gefüllt ist. Da es bei der Fleischweihe gesegnet wird, darf es seit jeher weder gewaschen noch anderweitig verwendet werden. Im Sommer hängte man es abergläubisch zur Unwetterabwehr auf den Zaun.

Das Räuchern zu Ostern hat eine sehr lange Geschichte. Bereits die Kelten haben in der Frühlingszeit geräuchert, um für alles zu danken, was die Natur ihnen geschenkt hat. Geräuchert wurde auch, um Haus und Hof zu reinigen. Geräuchert wird traditionell von Gründonnerstag bis Ostermontag. So mancher räuchert gerne an jedem dieser Tage mit verschiedenen Räuchermischungen. 

Da am Karfreitag keine Kirchenglocken mehr ertönen, zogen einst die Ratschenbuben morgens, mittags und abends von Haus zu Haus, verkündeten die Uhrzeit. Heute lieben es die Kinder, mit Ratschen aus Holz im Freien ordentlich Krach zu machen.

(c) Kärnten Werbung, Steinthaler

Die gesegneten Palmzweige haben das ganze Jahr über ihre Bestimmung. Früher wurden die Felder damit abgesteckt, damit der ganze Hof, das Hab und Gut geschützt sind. Heute bleibt ein gesegneter Palmzweig das ganze Jahr über im Haus oder der Wohnung hängen, bis der Jahreskreis sich schließt. Die vertrockneten Buschen werden für das Aschekreuz am Aschermittwoch wiederverwendet.

Und wer in Klagenfurt vor der Zillhöhe am Kreuzbergl das Wegerl rechts nimmt und zum Bache mit einer kleinen Mühle gelangt, entdeckt die buntesten Blüten, die das Leben so treibt: einen Ostereierbaum! Von Unbekannten jedes Jahr aufs Neue geschmückt, zaubert er vielen Passanten ein Schmunzeln ins Gesicht.

Seltene Sitten

Und dann gibt es da noch neben dem bekannten Eierpecken einige bereits sehr alte und nur noch selten gewordene Bräuche rund ums Osterfest. Für das Eierscheiben wird eine Rutsche aus zwei Brettern gebaut. Über diese lassen Kinder die Eier über einen wenig steilen Hang rollen. Der nächste muss nun versuchen, das Ei zu treffen, dann gehört es ihm. Sonst bleibt es ebenfalls liegen, bis einer es trifft.

Bei einem anderen Brauch versucht man, mit einer Münze mittels gezieltem Wurf die Eischale zu beschädigen. Gelingt das nicht, bekommt der Gegner die Münze.

Ins Grean gehen“ nennt man am Ostersonntag das Besegnen der Felder. Der Bauer geht mit seinen Leuten auf die Felder und unter stillem Beten werden Palmzweige und Holzscheite, die bei der Feuerweihe am Karsamstag angeglüht wurden, in die Erde gesteckt, ab und zu auch Knochen vom Weihfleisch.

(c) Kärnten Werbung. Steinthaler

Retro-Trend bei Ostereiern

Immer mehr Osterfans entdecken das Färben der Ostereier auf traditionelle Art. Knallbunte Ostereier gibt es überall am Benediktinermarkt zu kaufen, stecken in so mancher Reindlingmitte, neuerdings kann die Nostalgie viele Klagenfurter für sich begeistern.

Bei der ursprünglichen Weise des Färbens werden traditionell Blätter und Blüten auf Eier gelegt, mit einem dünnen Strumpfstück und Garn gesichert und in einem Zwiebelschalenbad gefärbt. Die Kärntner Food-Bloggerin Tici Kasper zeigt auf ihrem Social Media-Account, wie es geht: „Selbstgefärbte Ostereier sind eines der Highlights auf dem Ostertisch.“

(c) Martin Hoffmann

Ostern im Süden erleben

So viel Kulinarik, so viele Bräuche und Sitten erlebt man kaum zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort im Jahr. Kärnten ist wahrlich der Schmelztiegel alter und neuer Ostertraditionen und Klagenfurt die Osterhauptstadt, wenn man das Fest im Frühling mal selbst miterleben möchte! Ob Klein oder Groß – häufig trachtig gekleidet kommen die Einheimischen zur Palm- und Fleischweihe. Rausgeputzt, um gemeinsam die Fastenzeit zu beenden. Klagenfurt zur Osterzeit ist allemal einen Besuch wert!

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