Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Print Friendly, PDF & Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Print Friendly, PDF & Email
(c) Pixelpoint

10 skurrile Osterbräuche in Kärnten: Vom Gotensturz und Eierpecken

Ostern ist das wichtigste Fest im christlichen Jahreskalender und dementsprechend umfangreich sind die Gebräuche und Traditionen, die dieses Fest begleiten. Seit dem ersten Konzil von Nicäa vor gut 1700 Jahren ist sich die Christenheit über den Zeitpunkt der Osterfeierlichkeiten einig. Der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling ist seitdem der Ostersonntag.

So eindeutig das Osterdatum zu berechnen ist, so unüberschaubar gestalten sich die Osterbräuche in den einzelnen Regionen. Osterfeuer Land auf Land ab, Palmbuschentragen oder ein deftiges Festessen nach der kargen Fastenzeit gehören fast im gesamten deutschsprachigen Raum zum fixen Osterprogramm. Allerdings findet man in vielen Winkeln Kärntens so manche skurrile Osterbräuche, die dem Fest einen ganz eigenen Charakter verleihen.

Auf welche Kuriositäten man sich zu Ostern in Kärnten gefasst machen muss und wie man beim Praktizieren derselben auch als Unkundiger eine gute Figur macht, erfahrt ihr hier.

1. Kärntner Osterjause: Osterschinken, Speck & Reindling

Den Kärntnerinnen und Kärntnern läuft zu Ostern nicht etwa beim Anblick des dampfenden Osterlammes das Wasser im Mund zusammen, sondern ganz landestypisch bei einer besonderen Art der Bretteljause. Die Kärntner Osterjause umfasst neben dem klassischen Osterschinken unter anderem Selchwürste, Speck, Räucherschinken, Rindszunge und je nach Gegend weitere regionale Fleischprodukte. Doch das alleine macht noch keine Osterjause. 

Aus kulinarischer Sicht ist interessant, mit welchen Geschmäckern diese fleischlastige Kost kombiniert wird: Allen voran darf im Osterkorb der Kärntner Reindling nicht fehlen. Dieses traditionelle Süßgebäck mit einer Füllung aus Zucker, Zimt und Rosinen ersetzt zu Ostern das Vollkornbrot wodurch die Osterjause um die so wichtige süße Komponente ergänzt wird. 

Die Reindling Scheiben werden zu Schinken und Co. gegessen und mit Kren (Meerrettich) garniert. Dazu ein hartgekochtes Osterei und die Osterjause ist perfekt. Dieses salzig-süß-herzhaft-scharfe Geschmackserlebnis wäre anderswo im Kalenderjahr undenkbar. Zu Ostern aber macht genau das die echte Kärntner Osterjause aus!

2. Schneidschnaps trinken vor der Osterjause

Noch vor der Osterjause gibt es im Gurk- und Metnitztal einen hochprozentigen Brauch, den die Bauern früher in Hinsicht auf eine gute Mahd gepflegt haben: das Schneid trinken. Am Karfreitag wurde den Bauern und Knechten von den Bäuerinnen ein Frackale (großes Stamperl) Schnaps ausgeschenkt. Man trank darauf, stets eine gut geschärfte Sense zur Hand zu haben und beschwor so das ganze Jahr über ein erfolgreiches Mähen der Wiesen und Felder. 

Da heute fast niemand mehr mit der Sense mäht, ist diese Tradition etwas in Vergessenheit geraten. Vielerorts wird das Schneidschnaps trinken aufgrund seines geselligen Charakters aber immer noch gerne gepflogen – auch von jenen, die ohne nennenswerten Hektar-Bestand sind.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von giphy.com zu laden.

Inhalt laden

via GIPHY

3. Weihfeuertragen und Schwammweihe zu Ostern

Neben Palmbuschen und Osterjause darf in Kärnten am Karsamstag die traditionelle „Schwamm-“ oder „Feuerweihe“ nicht fehlen. Bei diesem Osterbrauch wird meist vor der Dorfkirche ein Feuer entzündet und vom Priester gesegnet. Damit man diesen Segen mit nach Hause nehmen kann, werden gewässerte Holzschwämme, wie sie an morschen Bäumen wachsen, ins Feuer gehalten bis sie glühen. 

Die Schwämme sind an einem langen Draht befestigt, wodurch man am Nachhauseweg durch Drehen und schwingen die Glut am Leben erhält. Als Nebeneffekt entsteht durch den zuvor gewässerten Schwamm eine starke Rauchentwicklung. Zu Hause angekommen werden damit alle Räume ausgeräuchert

Das soll Unheil und Krankheit fernhalten. Dieser Brauch stammt aus einer Zeit ohne Feuerzeuge und Zündhölzer. Damals durfte das Feuer im heimischen Ofen niemals ausgehen. Einzig am Karfreitag löschte man das Feuer absichtlich, um es am Morgen darauf mit der gesegneten Glut erneut zu entfachen. Traditionell wurde auf diesem Feuer auch der Osterschinken gekocht.

4. Gotensturz für die Patenkinder

Es ist schon mehr als eineinhalb Jahrtausende her, dass die Goten zur Zeit der Völkerwanderung durch Kärnten zogen. Beim Gotensturz handelt es sich allerdings nicht um ein Relikt aus jener Zeit. Vielmehr leiten sich diese beiden Begriffe vom Wort „Gotl“ ab, was in Kärnten so viel bedeutet wie „Pate“. 

Der oder die Gotl sind also die Taufpaten, die in der Karwoche ihr Patenkind mit einem Reindling und einem roten Ei, in dem eine Münze steckt, beschenkt. Das Patenkind bekommt den Gotensturz, in manchen Regionen auch Gotenreindling, höchstens bis zum 14. Lebensjahr. Besser gesagt bis zur Firmung. Dann hat der Gotl ausgedient und die Jugendlichen werden der Obhut des Firmpaten übergeben. Heute wird anstelle des Reindlings auch oft Spielzeug oder Bekleidung geschenkt, das sogenannte Gotengewand.

5. Osterratschen statt Kirchenglocken

Da am Gründonnerstag die Kirchenglocken gemeinschaftlich nach Rom fliegen und dort bis zur Auferstehung verweilen, möchte man meinen, dass in Abwesenheit des Glockengeläutes eine besinnliche Ruhe im Land herrscht. Doch weit gefehlt: Eben jene Ruhe wird durch das traditionelle Ratschen gebrochen. 

Bei diesem hölzernen Lärminstrument wird durch wildes Drehen ein Federblatt aus Fichtenholz um ein Zahnrad bewegt. Dadurch entsteht ein lautes, knatterndes Geräusch. Die Ratschen sollten in den Tagen zwischen Gründonnerstag und Ostersonntag die Kirchenglocken ersetzen, um so die Bevölkerung an den Gottesdienst zu erinnern. Das Ratschen war und ist traditionell Aufgabe der Kinder, die meist in Gruppen unter lautem Ge(t)ratsche durch die Ortschaften ziehen.

6. Kugelschlagen: Ein Osterbrauch aus der Keltenzeit

Ein ganz besonderes Gesellschaftsereignis findet man am Ostersonntag im Gurktaler Zweinitz. An die 140 Teilnehmer aus ganz Kärnten sowie unzählige Schaulustige versammeln sich hier zum alljährlichen Kugelschlagen. Dieser Brauch geht bis in die Keltenzeit zurück und könnte wohl am besten als eine Mischung aus Golf und Baseball beschrieben werden. Geschlagen werden Holzkugeln mit einem Schläger, dessen Stiel aus einem biegsamen Fichtenbäumchen und einem gewichtigen Kopf aus Hartholz besteht. 

Die Kugel wird vom Spieler in die Luft geworfen und mit dem Schläger – wie beim Baseball – in die vorgesehene Richtung geschlagen. Das Spielfeld ist dabei mehrere Kilometer lang und endet an der Ortstafel, wo der letzte Schlag eingelocht werden muss. Dieses Spiel kann sich über einige Stunden hinziehen. Deshalb gibt es entlang der Strecke ausreichend Labestationen, an denen sich Spieler wie Zuschauer stärken können.

7. Fackeltragen über die Felder

Viele Osterbräuche zielen auf die Beschwörung der Fruchtbarkeit und auf die Bewahrung vor Unheil ab. Oft ist das vor einem landwirtschaftlichen Hintergrund zu sehen, wie das Beispiel der Osterfackeln in St. Georgen bei Bleiburg untermauert. Hier werden am Abend des Karsamstages bis zu 40 Kilogramm schwere Fackeln über die Felder getragen. 

Dadurch soll der Boden gesegnet und Unwetter abgehalten werden. Für die Fackeln werden ganze Fichtenstämme mehrmals gespalten und mit Keilen auseinandergespreizt. So verbessert sich die Luftzufuhr und die Fackel kann über mehrere Stunden brennen. Das genaue Herstellungsverfahren wird über Generationen mündlich überliefert. An die 20 Fackelträger schreiten mit den lodernden Stämmen über Wiesen und Äcker. Immer wieder machen die Fackelträger Halt, um einen Fackeltanz aufzuführen und mit den Fackeln Figuren zu gestaltet. Ein ganz besonderes Spektakel in der Südkärntner Osternacht. 

8. Eierrollen: eine Mischung aus Kegeln und Mikado

In Mittelkärnten dreht sich derweil alles um das Osterei. Vielmehr: das Osterei selbst dreht sich. Das traditionelle Eierrollen wird meist im Kreise der Familie praktiziert und mutet an wie eine Mischung aus Kegeln und Mikado. Zwei lange Holzrechen werden so ineinander verkeilt, dass deren Stiele eine sanft abfallende Bahn formen, über die ein Ei gerollt werden kann. 

Jeder Spieler bringt ein gefärbtes Osterei in die Partie, das nach der Anlaufphase im Gras zu liegen kommt und dort verbleibt. Wer als nächstes am Zug ist, versucht die liegenden Eier zu treffen. Jedes Ei das wackelt, bedeutet einen Strafpunkt. Meist wird mit Münzen gespielt und so muss jeder Spieler, dessen Ei sich bewegt hat, ein Geldstück an den erfolgreichen Eierschützen bezahlen.

9. Eierpecken: Ein Spiel für Klein und Groß

Ebenfalls in Mittelkärnten zu finden ist der Brauch des Eierpeckens. Nicht zu verwechseln mit dem Eierturtschen, bei dem zwei Eier aufeinandergeschlagen werden, bis eines davon auf beiden Seiten eingedrückt ist. Vielmehr ist das Eierpecken ein Spiel, bei dem man größte Zielgenauigkeit beweisen muss. Dafür wird ein Ei auf dem Boden platziert und die Mitspieler versuchen, dieses mit einer Münze aus einiger Entfernung zu treffen. Bleibt eine Münze im Ei stecken, gehört das Ziel-Ei und alle in den vorhergehenden Fehlversuchen liegen gebliebenen Münzen dem erfolgreichen Schützen. Soweit die kinderfreundliche Version dieses Spieles.

Ans Eingemachte geht es dann, wenn sich Jugendliche und Erwachsene untereinander etwas beweisen müssen und das Ei in einer Hand halten. Mangelndes Zielvermögen und ein Mindestmaß an Durchschlagskraft, damit die Münze im Ei stecken bleiben kann, führen dabei immer wieder zu geprellten Fingern. Woher dieser Brauch ursprünglich stammt, ist nicht überliefert.

10. Brezn Samstag für die Liebe

Romantischer geht es da drei Wochen vor Ostern am Brezn Samstag im Lesachtal zu. Dabei decken sich die Junggesellen im Dorf beim Bäcker mit Teig- oder Schokobrezen ein und binden diese mit einem roten Band zusammen. Dieser Brezenstrauß wird dann der Angebeteten – Gitsche genannt – auf die Türschnalle gehängt. Die Anzahl der Brezen signalisiert dabei den Grad der Verliebtheit. 

Am Karsamstag kommt dann der Moment der Wahrheit, wenn die beschenkten Gitschen den Liebesbeweis erwidern. Für jede normale Brezen muss ein Ei, für jede Schokobrezen zwei Eier in ein Nest vor dem Haus gelegt werden. Erst dann erfahren die Gitschen, wer von den Junggesellen im Dorf sein amouröses Interesse bekundet hat. 

Dabei kommt es nicht selten vor, dass die Angebetete gleich von mehreren Burschen umworben wird. Gewisse Rivalitäten unter den Liebeswerbern sind dabei unvermeidlich, was schon zur einen oder anderen lustigen Episode in den Dorfchroniken des Lesachtales geführt hat.   

Gut gewappnet für die Osterwoche!

Mit diesem kleinen Handbuch der Kärntner Osterkuriositäten sollten Sie für das kommende Fest rund ums Ei bestens gerüstet sein. Lasst euch die Osterjause schmecken und diese wunderbaren Traditionen auf der Zunge zergehen. Wir wünschen euch allen: Frohe Ostern und einen braven Osterhasen!

Das könnte Sie auch interessieren

X