aktualisiert am: 14. März 2022
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Jede Menge Osterkörbe
(c) Kärnten Werbung, Tine Steinthaler

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Ostern in Klagenfurt am Wörthersee: Bräuche, Sitten, Kulinarik & mehr

Was allseits bekannt ist, zieht jedes Jahr zahlreiche Menschen in den Bann: Kein anderes Bundesland Österreichs feiert Ostern so besonders und ausgiebig wie Kärnten. Auf welche typischen Bräuche man dabei stößt und was es sonst nirgendwo anders gibt, verraten Kenner der heimischen Tradition wie Food-Bloggerin Tici Kaspar.

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Man könnte fast annehmen, dass die Kärntner Ostern erfunden hätten – so vielfältig sind die Traditionen in der Osterwoche in Klagenfurt. Von der Kunstinstallation bis zum Eierscheiben und Räuchern ist alles dabei.

Fastentuch im Klagenfurter Dom

Bis zum Karsamstag zeigt das diesjährige Projekt zum Thema „Wo bist Du?“ eine Kunstinstallation des Kärntner Künstlers Harald Schreiber. Die Frage „Wo bist Du?“ und eine überdimensionale Kopfplastik mit leeren Augenhöhlen und ausdrucksloser Miene verdecken den Hochaltar. Außerdem sind vom Mittelgang des Kirchenschiffes aus in V-förmiger und nach hinten hin ansteigender Folge zwölf Steinskulpturen auf Edelstahlstangen zu sehen.

Diese unfertigen, aus dem Stein herauswachsenden Köpfe sollen durch ihre Ausdrucksstärke einen Gegenpol zum leeren Gesicht vor dem Hochaltarbild bilden. Ergänzt wird die Kunstinstallation mit kurzen Zitaten von Schriftstellerinnen und Schriftstellern mit Kärnten-Bezug. Diese sind auf zwölf weißen Stoffbahnen, die von der Empore des ersten Stocks in die Gewölbe der Seitenkapellen hängen, zu lesen.

In Vertiefung zur Kunstinstallation „Wo bist Du?“ werden fünf Kärntner Literatinnen und Literaten an den Fastensonntagen im Rahmen einer Dialogpredigt mit Dompfarrer Dr. Peter Allmaier über Fragen der menschlichen Existenz sprechen. Ein Pflichttermin für alle, die Claudia Rosenwirth, Maria Hoppe, Silvano Kobald, Gabriele Russwurm-Biro und Ivana Kampuš live sehen möchten. „Die Welt ist mehrdimensional, daher braucht es verschiedene Zugänge, um die religiöse Wirklichkeit zu verstehen“, sagt Dompfarrer Allmaier.

Palmbuschen binden am Palmsonntag-Wochenende

Das Wochenende des Palmsonntags läutet die Osterferien ein. Zu diesem Anlass werden in ganz Kärnten Palmbuschen gebunden. Manch einer verziert sie mit bunten Bändchen, andere stecken Salz- oder Schokobrezen darauf. Immer mit dabei: zuvor ausgeblasene und bunt bemalte Eier! Generell gilt am Land: Je größer der Hof, desto größer sollte der Palmbuschen sein.

Für die Palmbuschen werden Palmzweige vor der Blüte geschnitten und kühl gelagert. Für den geflochtenen Griff werden Weidenzweige verwendet, die gleich behandelt werden, um sie geschmeidig und saftig zu bewahren. Wie man einen richtig anschaulichen Palmbuschen bindet, weiß Siegfried Schatz aus dem Lavanttal.

Hier geht es zu den aktuellen Terminen der katholischen Kirche für Palm- und Speisensegnungen sowie der Feuerweihe.

Traditionelle Osterjause in Kärnten

Nach 40 Tagen Fastenzeit ist die Vorfreude auf die traditionelle Kärntner Osterjause groß! So wundert es nicht, dass kaum ein anderes Fest in Kärnten derart intensiv mit Kulinarik verbunden ist wie Ostern. Und am reichlich gedeckten Ostertisch spiegelt sich die bunte Vielfalt der Kärntner Köstlichkeiten eindrucksvoll wider. Der Weihkorb lässt sich ideal am Benediktinermarkt zusammenstellen. Zahlreiche Angebote aus Stadt und Land lassen die Osterjause zu einem lukullischen Höhepunkt im Jahr werden.

Osterschinken, Selchwürstln & Co.

Keinesfalls fehlen darf der “gselchte” Schinken. Er wird in einem Stück gekocht und dann in dünnen Scheiben serviert. Nach sechs Wochen Fastenzeit und Verzicht auf Fleisch, ist dieser eine wahre Gaumenfreude! Auch der Schinken im Brotteig ist ein echter Geheimtipp aus dem Oberkärntner Raum, der mit Roggenbrot besonders gschmackig wird. Da das Fleisch nicht zu mager sein darf, verwenden die Bäuerinnen zum Füllen gerne einen Schopfroller.

Ländliche Besonderheiten sind der „Wunter“ aus dem Gailtal, der von einigen wenigen Bäuerinnen als Rarität zubereitet wird. Für diese Spezialität wird eine Wurstmasse in einen Schweinemagen gefüllt, geselcht und gekocht. Diese einmalige Kärntner Kindheitserinnerung wird am Karsamstag nach der Fleischweihe in saftige Scheiben geschnitten und mit Eierkren und dem Kärntner Reindling serviert.

Einen fixen Platz am österlichen Jausentisch haben Würste. Traditionellerweise werden gekochte Selchwürste gereicht, die gemeinsam mit Kren oder scharfem Senf ihre himmlisch pikante Note entfalten.

Aber was wäre ein Osterfest ohne einen Kärntner Reindling? Dieser ist das Kernstück der Feierlichkeiten. Diese typische Kärntner Spezialität mit einer Zimt-Zucker- und Rosinenfüllung darf auf keinem Tisch fehlen. 

Von Spinat bis zur Fleischweihe in der Karwoche

Wer in der Fastenzeit nicht auf Fleisch verzichten konnte, hält es mit der verkürzten Variante und beginnt spätestens Mitte der Karwoche damit. 

Gründonnerstag: Spinat, Spiegelei & Vorbereitungen

Am Gründonnerstag wird traditionell Spinat mit Spiegelei gegessen – vorher in vielen Haushalten noch alles sauber gemacht. Abends wird nicht nur im Klagenfurter Dom die Heilige Messe vom Letzten Abendmahl gefeiert. Und auch die Kirchenglocken verstummen. Im Volksmund sagt man: „Sie fliegen nach Rom“ – und läuten erst wieder am Karsamstag zur Auferstehung.

Viele Kinder freuen sich zu Ostern auch auf das zusätzliche Geschenk der Taufpatin oder vom Taufpaten. Früher gab es das in Form eines Reindling mit einem Geldstück und zwei roten Eiern.

Karfreitag: Errichtung des Osterhaufens

Der Aberglaube bewegt einige Menschen dazu, am Karfreitag keine Erdarbeiten zu verrichten und auch keine Wäsche zu waschen. Traditionell wird auch der Osterhaufen an diesem Tag errichtet. Der Karfreitag ist mit der Sterbestunde Jesu und der einhergehenden Trauermette der besinnlichste Tag im Jahr für Christen.

Karsamstag: Feuersegnung & Fleischweihe

Am Karsamstag wird frühmorgens am Domplatz mit einer großen Feuerschale die Feuersegnung vollzogen. Dafür werden trockene Baumschwämme verwendet. Vereinzelt wird damit zu Hause noch das Herdfeuer angezündet und traditionell der Osterschinken gekocht. Über die Mittagszeit werden die zahlreichen Fleischweihen mit prall gefüllten Weihkörben abgehalten und abends zu den Klängen von „Das Grab ist leer“ das Hochfest zur Auferstehung gefeiert.

Ostersonntag: Osterfeuer & Nest- & Eiersuche

Das traditionelle Osterfeuer wirkt auf viele bereinigend. Über die Glut, die am Ende übrig bleibt, springt so mancher seit Jahrhunderten zur Mutprobe. Heuer ist es in Kärnten tagsüber untersagt und nur in der Nacht auf den Ostersonntag erlaubt. Daran teilnehmen dürfen heuer auch nur Personen aus dem selben Haushalt. Auf Nest- und Eiersuche gehen alle am Ostersonntag, dem höchsten Feiertag der katholischen Kirche.

Gelebte Oster-Tradition

Das bestickte Weihtuch bedeckt den Osterkorb, der mit Selchfleisch, Brot, Salz, Eiern und vielem mehr gefüllt ist. Da es bei der Fleischweihe gesegnet wird, darf es seit jeher weder gewaschen noch anderweitig verwendet werden. Im Sommer hängte man es abergläubisch zur Unwetterabwehr auf den Zaun.

Das Räuchern zu Ostern hat eine sehr lange Geschichte. Bereits die Kelten haben in der Frühlingszeit geräuchert, um für alles zu danken, was die Natur ihnen geschenkt hat. Geräuchert wurde auch, um Haus und Hof zu reinigen. Geräuchert wird traditionell von Gründonnerstag bis Ostermontag. So mancher räuchert gerne an jedem dieser Tage mit verschiedenen Räuchermischungen. 

Da am Karfreitag keine Kirchenglocken mehr ertönen, zogen einst die Ratschenbuben morgens, mittags und abends von Haus zu Haus, verkündeten die Uhrzeit. Heute lieben es die Kinder, mit Ratschen aus Holz im Freien ordentlich Krach zu machen.

Die gesegneten Palmzweige haben das ganze Jahr über ihre Bestimmung. Früher wurden die Felder damit abgesteckt, damit der ganze Hof, das Hab und Gut geschützt sind. Heute bleibt ein gesegneter Palmzweig das ganze Jahr über im Haus oder der Wohnung hängen, bis der Jahreskreis sich schließt. Die vertrockneten Buschen werden für das Aschekreuz am Aschermittwoch wiederverwendet.

Und wer in Klagenfurt vor der Zillhöhe am Kreuzbergl das Wegerl rechts nimmt und zum Bache mit einer kleinen Mühle gelangt, entdeckt die buntesten Blüten, die das Leben so treibt: einen Ostereierbaum! Von Unbekannten jedes Jahr aufs Neue geschmückt, zaubert er vielen Passanten ein Schmunzeln ins Gesicht.

Seltene Oster-Sitten in Kärnten

Und dann gibt es da noch neben dem bekannten Eierpecken einige bereits sehr alte und nur noch selten gewordene Bräuche rund ums Osterfest. Für das Eierscheiben wird eine Rutsche aus zwei Brettern gebaut. Über diese lassen Kinder die Eier über einen wenig steilen Hang rollen. Der nächste muss nun versuchen, das Ei zu treffen, dann gehört es ihm. Sonst bleibt es ebenfalls liegen, bis einer es trifft.

Bei einem anderen Brauch versucht man, mit einer Münze mittels gezieltem Wurf die Eischale zu beschädigen. Gelingt das nicht, bekommt der Gegner die Münze.

„Ins Grean gehen“ nennt man am Ostersonntag das Besegnen der Felder. Der Bauer geht mit seinen Leuten auf die Felder und unter stillem Beten werden Palmzweige und Holzscheite, die bei der Feuerweihe am Karsamstag angeglüht wurden, in die Erde gesteckt, ab und zu auch Knochen vom Weihfleisch.

Retro-Trend bei Ostereiern

Immer mehr Osterfans entdecken das Färben der Ostereier auf traditionelle Art. Knallbunte Ostereier gibt es überall am Benediktinermarkt zu kaufen, stecken in so mancher Reindlingmitte, neuerdings kann die Nostalgie viele Klagenfurter für sich begeistern.

Bei der ursprünglichen Weise des Färbens werden traditionell Blätter und Blüten auf Eier gelegt, mit einem dünnen Strumpfstück und Garn gesichert und in einem Zwiebelschalenbad gefärbt. Die Kärntner Food-Bloggerin Tici Kasper zeigt, wie es geht: „Selbstgefärbte Ostereier sind eines der Highlights auf dem Ostertisch.“

Ostern im Süden erleben

So viel Kulinarik, so viele Bräuche und Sitten erlebt man kaum zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort im Jahr. Kärnten ist wahrlich der Schmelztiegel alter und neuer Ostertraditionen und Klagenfurt die Osterhauptstadt, wenn man das Fest im Frühling mal selbst miterleben möchte! Ob Klein oder Groß – häufig trachtig gekleidet kommen die Einheimischen zur Palm- und Fleischweihe. Rausgeputzt, um gemeinsam die Fastenzeit zu beenden. Klagenfurt zur Osterwoche allemal einen Besuch wert.

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