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Versteckte Romantik in Klagenfurt
(c) Franz Gerdl

Versteckte Romantik – Die Stadt der Innenhöfe

Insgesamt gibt es 80 Innenhöfe in Kärntens Hauptstadt. Wo genau die schönsten Höfe und Innenhöfe in Klagenfurt zu finden sind, erfahrt ihr hier. Außerdem stelle ich euch noch ein Event in den Höfen diesen Sommer vor, das ihr keineswegs verpassen solltet.

In Klagenfurt ist die merk-würdige Schönheit stiller, verborgener als anderswo. Hinter häufig unscheinbaren Fronten tut sich die nach innen gerichtete Seele der Stadt auf, im wesenhaften und lebendigen Bild der Höfe. Diese malerischen Kulissen innerhalb der alten Edelmannsitze und Bürgerhäuser wollen erst einmal erobert werden. 

(c) Sarina Dobernig

Da gibt es entzückende Barockhöfe mit Säulengängen und blumenbeladenen Galerien, idyllische Biedermeierwinkel, Laubenarchitekturen und Steinbalkone mit bauchigen Korbgittern in etlichen Geschossen. Arkadenhöfe prunken mit ornamentierten Mauerfronten, gerahmten Archivolten, Trichterkapitellen und Treppen, die sich wie Schneckenhäuser nach oben winden.

An die 80 (!) der Klagenfurter Innenhöfe aus Renaissance, Barock und dem 19. Jahrhundert wurden in den letzten Jahrzehnten revitalisiert und saniert. Ich zeige euch hier meine 8 Favoriten:

Landhaushof

Weitgehend unverändert blieb seit Errichtung in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts der Innenhof des Landhauses, des bedeutendsten Profanbaus in Klagenfurt. Als maßgeblicher Architekt gilt Johann Anton Verda, Steinmetz vom Luganer See. Er erweiterte es zum hufeisenförmigen Bau und kreierte den zweigeschossigen Arkadengang mit seinen begleitenden Stiegenläufen sowie den südlichen Turm.

Schlusspunkt der Bautätigkeit war die Errichtung des Landhaushoftores 1594, das den Hof zwischen dem Landhaus und dem Gebäudekomplex „Zur goldenen Gans“ abschloss. Ein kurioses Detail im Landhaushof ist eine winzige Steintreppe, die ursprünglich zum leichteren Schwung in den Pferdesattel diente und bis heute erhalten geblieben ist.

1950 wurde der Innenhof zum Parkplatz verändert und etwas später für die Autos der Landtagsabgeordneten reserviert – das waren noch Zeiten! Aufsehen erregte 1949 eine Freilicht-Aufführung von Beethovens Oper „Fidelio“ im Landhaushof. Heute freut man sich über die Alpe-Adria-Kulinarik, die das „Gasthaus im Landhaushof“ auftischt.

(c) Stefan Kobald

Burghof

1586 wurde die ausladende Burg – ebenfalls nach Plänen von Antonio Verda – als die protestantische Adelsschule„Collegium sapientiae et pietatis“ errichtet. 
Das Collegium hatte einen über die Grenzen reichenden guten Ruf und brauchte nach der Überlieferung den Vergleich mit der Universität von Bologna nicht zu scheuen. Die Institution verfügte über eine eigene Sternwarte, im Garten war eines der damals begehrten Labyrinthe angelegt.

Nach der Gegenreformation nutzten die Kärntner Burggrafen bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Gebäude als repräsentativen Sitz, sie herrschten in Vertretung des jeweiligen Landesherrn über ihr kleines Kärntner Territorium. In der nächsten historischen Phase beherbergte die Burg den Verwaltungsapparat des Kaiserlichen Hofes, die Räumlichkeiten wurden von hohen Beamten bewohnt. Der Kaiser hatte eine Wohnung in der Burg, falls er das Land Kärnten bereiste. Der letzte dieser royalen Besuche ist mit 1907 datiert.

Im Inneren der viereckigen Anlage im Herzen der Stadt öffnet sich ein weiter – von Arkadengängen umrahmter – Innenhof. Ein idealer Ort des Verweilens und der Reflexion für die Besucher des im Haus eingerichteten Museums Moderner Kunst Kärnten.

Seit dem Jahr 2000 bietet der Hof die Bühne für sommerliches Open Air Kino. Fünf Wochen lang ist das Programm eine der kulturellen Attraktionen Kärntens.

Kardinalplatz

Fast um die Ecke liegt das Haus Kardinalplatz 1. Der Ansitz wurde als „Stubenberg- Behausung“ bekannt. Im 18. Jahrhundert wechselten mehrmals die Besitzer, zu ihnen zählten Leute von Rang und vor allem Namen: Polykarp Graf Christalnigg, Graf von Kaiserstein, Dr. Johann Georg von Pirkenau, Ernst Maria Graf Lodron und Dr. Karl Anton Hamerlitz schlugen hier ihr Domizil auf.

Ab 1806 war das Haus im Besitz der Grafenfamilie Egger bis es Bankier Anton Ritter von Ehrfeld erwarb. Heute ist im prachtvollen Innenhof mit seinen um 1700 entstandenen zweigeschossigen Arkaden die gastronomische Innovation „Best of the rest“ daheim: Elke Oberhauser kocht Köstliches mit Lebensmitteln, die sie von Gärtnereien, vom Markt und anderen Händlern rechtzeitig vor dem Wegwerf-Zeitpunkt erhält.

(c) Stefan Kobald

Bamberger Hof

Vom Alten Platz führt eine Passage durch den Bamberger Hof – ein Juwel an Atmosphäre – in die Renngasse. Das ehemalige Palais gehörte bis 1614 dem protestantischen Arzt Urban Zusner von Zusnerberg. 1759 wurde es zum Palais des Hochstiftes und Namensstifters Bamberg. Der Renaissance-Arkadenhof und die Fassade stammen aus dem Jahr 1650.

Altes Rathaus

Hier sollte man sich unbedingt das Alte Rathaus näher ansehen. Dieses Palais Rosenberg mit seinem Baukörper aus dem 16. Jahrhundert besitzt einen der lieblichsten Renaissance-Arkadenhöfe Österreichs.

Goldene Gans

Das älteste noch erhaltene Gebäude der Stadt Klagenfurt kann man am westlichen Ende des Alten Platzes sehen. Das Haus zur Goldenen Gans wurde 1489 beurkundet und ist mit der Gans aus vergoldetem Messing am Portal leicht zu erkennen. Die „Goldene Gans” war im Zuge der Altstadtsanierung 1975 das erste Haus, dessen Innenhöfe entkernt, restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

(c) Stefan Kobald

Ossiacherhof

Über die Wienergasse spaziert’s sich zum Ossiacherhof (Haus Nr. 10).

Im bezaubernden ersten Hof befindet sich an der Südwand ein um 1700 entstandener Stuckdekor. Das Gesims tragen Atlanten, steinerne Früchte werden von Löwen gehalten. Nord- und westseitig befinden sich Arkaden. Besonderheiten sind die Butzenscheiben, Konglomerat-Säulen und Drachen-Wasserspeier.
Im zweiten Hof sind auf drei Seiten dreigeschossige Arkaden aus dem 16. Jahrhundert eingebaut.

Herrengasse

Ein wahres Eldorado für Höfe-Finder ist die Herrengasse. In der Reihe der schicken Palais gibt es kaum eines ohne ebenso schicken Hof.

Durch ein mächtiges Rundbogenportal betritt man zum Beispiel den Arkadenhof des Anwesens Herrengasse 10, ehemals im Besitz der Freiherren von Seenuß (gibt es jemanden der bei diesem Namen nicht lachen muss?)

Das Helldorf’sche Haus auf Nummer 12 hat sich kein Geringerer als Napoleon während der Besetzung Klagenfurts durch die französischen Truppen als Quartier ausbedungen. Man sieht ihn geradezu im Hof sitzen und Huhn à la Marengo mit Chambertin (hatte er angeblich auf allen Feldzügen im Gepäck – nicht das Huhn, den Wein) schlemmen.

Das Haus Nummer 14 weist ebenfalls einen eindrucksvollen Innenhof auf – die Arkaden sind großen Teils verglast worden, aber auch diese Pawlatschenstimmung hat was.

(c) Stefan Kobald

Event-Tipp: Kultur in den Höfen – „Donnerszenen“

Neben all diesen und vielen anderen einfach zugänglichen Innenhöfen gibt es natürlich auch mindestens ebenso viele Höfe in Privatbesitz. Für alle Interessierten bot sich in diesem Sommer auch die Möglichkeit, auch dort „einzudringen“: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Donnerszenen“ haben in öffentlichen aber auch in eigens geöffneten Höfen von Familienhäusern Konzerte, szenische Aufführungen und Lesungen stattgefunden.


Für die kulturellen Highlights durften unter anderem der Hof der Familie Neumüller am Waagplatz, der Grüner-Innenhof in der Bahnhofstraße oder der Domgarten in der Lidmanskygasse bespielt werden.
Den Nachbericht zu den Donnerszenen findet ihr HIER

(c) Sarina Dobernig

Eine wunderbare Draufgabe in der Altstadt sind die kurzen Wege. Ist man von den vielen Hofdurchquerungen hungrig geworden, bietet sich in diesem Stadt-Eck der Hof vom behäbigen „Bierhaus zum Augustin“ an. Das ehemalige Offiziershaus von Glaunach mit Kern aus dem 16. Jahrhundert wurde um 1720 mit barocker Fassade versehen. Im Hof schupfen die Kellnerinnen herzhafte Spezialitäten und Bierkrügel jeder Größe.

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