Lost Places: Auf Erkundungstour durch Klagenfurt

Schaurig-schöne Geschichten: Verlorene Plätze, verlassene Orte, mystische Entdeckungen – auch rund um Klagenfurt verbergen sich einige Lost Places, die einen spannenden Ausflug versprechen – teilweise sogar mit Gruselfaktor. 

Besonders in der dunkleren Jahreshälfte sorgen Lost Places für Spaß und Spannung. Aber Achtung: Die Gebäude dürfen zum eigenen Schutz bitte nicht betreten werden! Dann bleibt umso mehr Raum für Fantasie, sich selbst Geschichten zu den Orten auszudenken. Wir waren für euch abseits der altbekannten Pfade und Plätze und präsentieren die 8 Lost Places von Klagenfurt.

Was bitte ist ein „Lost Place“?

Eins zu eins aus dem Englischen übersetzt bedeutet “Lost Place“ eigentlich „verlorener Platz“. Es handelt sich um einen vergessenen Ort oder eine aufgegebene Liegenschaft, eine Ruine oder Teile eines alten Gebäudes.

Fast jeder stößt irgendwann auf einen verlassenen Ort – auch wenn der vielleicht nicht gleich unbedingt als „Lost Place“ erkannt oder benannt wird. Neben nicht mehr genutzten Bunkern, militärischen Anlagen und den aus Horrorfilmen oder Thrillern bekannten verlassenen Heilstätten oder Kliniken zählen dazu auch geschlossene Gebäude wie Hotels oder Bahnhöfe.

Also jene Orte, die nicht touristisch erschlossen und der Allgemeinheit meist nicht zugänglich sind. Trotzdem geben Sie die Möglichkeit, die vorherrschende, authentisch-historische Atmosphäre zu erleben und der Fantasie freien Lauf zu lassen. 

Denkmal aus dem Industriezeitalter: Der Schrottenturm

Am nordöstlichen Ufer des Wörthersees zwischen Krumpendorf und Klagenfurt ragt der Schrottenturm – oder auch Schrottenburg genannt – empor. Ein altes Industriedenkmal, erbaut in den Jahren 1818-1824 von Ritter Rainer zu Harbach zur Produktion von Bleikugeln. In den 1890ern wurde der industrielle Betrieb eingestellt, 1927 kaufte der damalige Bürgermeister Adolf Wolf die Liegenschaft. Er ließ den Turm zum Aussichtsturm umbauen und richtete darunter ein Ausflugslokal ein – die Schrottenburg. 

1970 wurde dann auch das Gastgewerbe stillgelegt – seitdem ist die Liegenschaft mehr oder weniger sich selbst überlassen und ist damit der wohl offensichtlichste „Lost Place“ in Klagenfurt. Trotz der Tatsache, dass der Turm von so vielen Seiten gut sichtbar ist, vergessen viele auf das Stück aus einem längst vergangenen Industriezeitalter. 

Fun Fact: Bergseitig findet man ein Relief von Johann Ritter von Friedel, der sich als Generalmajor für die Interessen von Klagenfurt einsetzte und zum Ehrenbürger ernannt wurde. Nach ihm sind auch die Friedelhöhe, der Friedelstrand und die Friedelstraße benannt.

Kriegszeiten: Bunkerturm am Kreuzbergl

Ein wuchtiger Betonturm ragt am Kreuzbergl neben der Spielwiese aus dem Boden. Er erinnert dabei an die schreckliche Kriegszeit in Klagenfurt. Der Turm diente als Frischluftversorgung für den darunterliegenden, 354 Meter langen Stollen. Der Bunker war im Zweiten Weltkrieg ein Schutzbunker für die Klagenfurter Bevölkerung. Zudem war er der größte, den die Stadtgemeinde in der gesamten Kriegszeit errichtete. Dicht gedrängt fanden hier sage und schreibe knapp 6.000 Personen Platz – bei 48 Bombenangriffen, die auf Klagenfurt damals verübt wurden. 

Die drei Fresken am Turm zeigen „Den fliegenden Tod“ als Sinnbild mit Sense, Fackel und Stundenglas, „die brennende Stadt mit dem Stadtpfarrturm und schutzsuchenden Frauen und Kindern“ und die „helfende Krankenschwestern“, die umringt von Hilfesuchenden dargestellt wird. Eine Erinnerung, beinahe ein Mahnmal, das uns die dunkelsten Jahre unseres Landes vor Augen führt und damit eine ganz besondere Aura schafft. 

Anno dazumal in der Innenstadt: Das Villacher Tor

Seiner Lage nach – nämlich quasi mitten in der Innenstadt – eigentlich kein typischer „Lost Place“, dennoch aber ein Stück Geschichte, das ebenso unauffällig wie genial in der Villacherstraße 3 versteckt ist und im schnellen Vorbeigehen kaum wahrgenommen wird.

Einst war Klagenfurt von einer mächtigen Stadtmauer umgeben. Diese wurde nach den Plänen des italienischen Baumeisters Domenico dell’Allio 1534 mit Stadttoren in alle vier Himmelsrichtungen errichtet. Während der Besatzung der Franzosen ab 1797 widerfuhr unserer Stadtmauer ein trauriges Schicksal. Beim Abzug 1809 sprengten die Besatzer die Stadtmauern, denn Napoleon duldete keine Festung hinter seinem Rücken. Versteckt am Beginn der Villacherstraße kann man die Reste des Villacher Stadttores aber heute noch sehen. 

Der weiße Turm am schwarzen Felsen

Erbaut wurde der Turm 1928 von Dr. Viktor Ohnmacht als Sternwarte, die damals als Krönung der „Erholungsstätte Maiernigg“ fungieren sollte. Gedacht war sie als Lebensschule mitten im Urlaubsort zur Erholung von Körper, Geist und Seele. Leider fielen die Pläne der damaligen Wirtschaftskrise zum Opfer – der Turm verfiel. 1960 brannte das Gebäude ab, die Überreste finden wir heute in der Nähe des Gustav Mahler Komponierhäuschens, unweit vom Strandbad Maiernigg. 

Ein Ort der, alleine aufgrund seines Namens, voller mystischer Geschichten steckt: Was, wenn der Turm in seinem ursprünglichen Plan hätte fertiggestellt werden können? „Vom Zimmer direkt im Badekostüm ins Bad! Luft und Sonnenbäder!! Über blühende Heide hinauf zur Aussichtswarte!“ – solche Zeilen lassen sich in Werbeprospekten der damaligen Zeit finden. Ein Ort mit Potenzial – heute ein Lost Place, der nur noch erahnen lässt, was das für den Tourismus am Südufer bedeutet hätte. 

Schloss am Ring: Das Herbertstöckl

Im 17. Jahrhundert von der Familie Mittnacht zu Werthenau erbaut, gilt das „Herberstöckl“ am nordwestlichen Ende der Klagenfurter Ringstraße als Musterbeispiel des Kärntner Stöckltyps. Ein „Stöckl“ bezeichnet in Kärnten ein kleines Herrenhaus, das heute eher wie ein leicht verfallenes Schlösschen wirkt. 1741 wechselte es in den Besitz der Familie Kulmer, das Stift Ossiach kaufte es 1747. Der Besitzer der ersten Bleiweißfabrik Österreichs und damit ein Pionier der österreichischen Industriegeschichte, Johann Michael Freiherr von Herbert, erwarb es dann im Jahre 1764, in dessen Familie es bis ins 19. Jahrhundert verblieb. 

Besondere Highlights: Der Salon im ersten Obergeschoß ist mit fünf Grisaillen ausgestattet, die dem Direktor der Wiener Akademie und Maler Caspar Franz Sambach zugeschrieben werden. Ein Lost Place, der vor allem vom gegenüberliegenden Goethepark ein äußerst schönes und beliebtes Fotomotiv darstellt. Es ist also nicht nur ein cooler Platz für einen Instagram-Shot, sondern auch ein Gebäude mit viel Geschichte.

Das verlassene Wörthersee Hotel

Mehr Klagenfurt in einem Lost Place geht eigentlich nicht. Das alte Hotel Wörthersee in der Ostbucht ist ein imposanter Bau der Wörthersee-Architektur. Obwohl dort schon lange keine Gäste mehr nächtigen, hat es sich zu einem markanten Wahrzeichen der Stadt und des Wörthersees etabliert.

Früher ein touristischer Paradebetrieb und Restaurant, ist es heute nur mehr eine labile Konstruktion, die von Jahr zu Jahr mehr verfällt. Es ist ein ehemaliges architektonisches und touristisches Schmuckstück, das nun weniger Prunk, sondern eher Gruselfaktor versprüht. Auch hinter diesen Mauern verbergen sich abertausende Geschichten, die mit jedem Bröckeln auch mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Es lohnt sich, das Hotel aus (sicherer) Nähe anzuschauen. Das alte Gebäude ist jedoch baufällig und darf daher auf keinen Fall betreten werden! 

Ruinen beim Ebenthaler Wasserfall

Ist der Ebenthaler Wasserfall nahe der Sattnitz nicht schon an sich ein mystisches Plätzchen, finden sich auf dem Weg dorthin sogar noch zwei Lost Places. Beim Wandern dorthin hat man das Gefühl, dass hie und da etwas aus einer der vielen kleinen versteckten Höhlen guckt. Unweit des 40 Meter hohen Wasserfalls entdeckt man am Boden die Überreste alter Wasserschlösser. Diese haben früher der Wasserversorgung der näheren Umgebung gedient. 

Schauergeschichte: Klagenfurter Hallenbad

Seit August 2021 ist es klar: Der Zustand des Klagenfurter Hallenbades ist nicht zufriedenstellend. Eine Komplettsanierung kommt für die Gutachter außerdem nicht in Frage. Das Hallenbad wurde geschlossen. Zum Ärger vieler Klagenfurterinnen und Klagenfurter ist das beliebte Hallenbad heute nicht mehr als ein „Lost Place“. Mit insgesamt 52 Jahren war das Hallenbad Klagenfurt eines der am längsten in Betrieb stehenden Hallenbäder in Europa. 

Nun ist es eine leere Halle voller persönlicher Geschichten und Erlebnisse von großen und kleinen Gästen. Das Inventar wurde versteigert, die Technik entfernt. Unklar ist, was mit den kunstvoll gestalteten Fliesen von Giselbert Hoke geschehen soll. Diese sollen vielleicht in einem neuen Hallenbad wieder einen Platz finden.

Erkundungen der etwas anderen Art

Never stop exploring! Es muss nicht immer eine ausgiebige Bergtour oder ein adrenalin geladener Rad-Ausflug sein. Auch beim gemütlichen Sonntags-Spaziergang, bei der Laufrunde oder auf dem Weg zur Arbeit lassen sich geheimnisvolle Orte entdecken und erforschen. Klagenfurt beherbergt eine Menge Legenden, Geheimnisse und Geschichten, die in Form dieser Lost Places sogar noch sichtbar sind. 

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