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(c) Wolfgang Handler

Mit dem Nachtwächter durch die dunklen Gassen Klagenfurts

Geheimnisvolles im fahlen Schein einer Laterne: Bei der Nachtwächter-Führung durch die Altstadt erleben die Teilnehmer eine Zeitreise ins Leben und Denken der mittelalterlichen Stadtbewohner.

Er ist schon eine eindrucksvolle Erscheinung, der Horst Ragusch, wenn er in der einsetzenden Dunkelheit um die Ecke biegt und zur wartenden Gruppe am Dr. Arthur-Lemisch-Platz stößt. Er trägt eine braune, weite Kutte samt ausladendem Hut, in der Rechten eine Hellebarde – eine alte Landsknecht-Waffe – in der Linken die obligate Kerzenlicht-Laterne.

So waren sie ausgerüstet, die Nachtwächter im Mittelalter. Ab dem 13. Jahrhundert sorgten sie des Nachts in den gerade erst entstandenen Städten für Ordnung. Und in genau diese Zeit entführt Horst Ragusch, tagsüber der „Türmer von Klagenfurt“, die Teilnehmer bei seiner Nachtwächterführung durch die Innenstadt.

Dunkle Zeiten im frühen Klagenfurt

Es soll eine Stadtführung für alle Sinne werden, kein bloßes Abarbeiten historischer Daten. Horst verteilt zu allererst Stücke selbstgebackenen Dinkelbrots unter seinen Gästen, so wie es vor Jahrhunderten in der Region zubereitet wurde.  

„In der sozialen Hierarchie war der Nachtwächter weit unten angesiedelt, knapp überm Henker und Totengräber. Nachtwächter – und somit im Dunkeln unterwegs – zu sein, war unheimlich“,

erzählt Horst Ragusch.

Denn das tiefe Schwarz der Nacht – Straßenbeleuchtung gab es keine – stoppte in mittelalterlichen Städten jedes lebendige Treiben. Wer da noch auf der Straße war, hatte oft nichts Gutes im Sinn. Der Nachtwächter brachte solche Gestalten vor die Stadtmauer. Sogar Frauen. Denn alle ehrbaren Damen waren ja längst drinnen, in den sicheren Mauern und Innenhöfen der Stadthäuser.

(c) Martina Valentinitsch

Heimelige Innenhöfe

Die wunderschönen Höfe gibt’s freilich heute noch in der Stadt. Und manche dieser Kleinode, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind, kann man im Sommer bei den Klagenfurter Donnerszenen endlich mal betreten und samt Kulturgenuss erleben.

Aber zurück zur Nachtwächter-Führung. Immer wieder fordert Horst Ragusch die Gruppe auf, die Augen zu schließen und sich gedanklich sechs, sieben Jahrhunderte zurückzuversetzen. Am heutigen Neuen Platz mit dem Lindwurmbrunnen stand früher ein Galgen, an dem die Delinquenten zur Mahnung oft ein, zwei Wochen hängen gelassen wurden.

Altes Rathaus (Palais Rosenberg)
(c) Stefan Kobald

Stadtmauer und Torschlusspanik

Die Renngasse hinter der Burggasse gab es damals schon: als direkte Verbindung zur Stadtmauer musste sie stets frei bleiben, um bei Gefahr auf die Wälle rennen zu können. Eindringlinge konnten die 6 Meter hohe Mauer in wenigen Sekunden erklimmen, da musste man schnell vor Ort sein, um sie abzuwehren.

Abends, wenn der Nachtwächter seine Patrouille begann, wurden die Stadttore geschlossen. Wer draußen blieb, war ausgesetzt, was laut Ragusch auch den Begriff „Torschlusspanik“ prägte. Manche durften gar nicht erst hinein. Der Henker zum Beispiel musste weit vor der Stadtmauer leben. „In vielen Wirtshäusern gab’s einen Tisch mit nur einem Stuhl – für den Henker. Er saß immer alleine. Die Menschen fürchteten sich vor seinem Hauch.“

Kotgasse und Feuerbach 

Wir gehen weiter, unter den gemauerten Bögen der engen Geyergasse hindurch: „Die Bögen waren Abstandhalter gegen Feuersbrünste. Und in so einer schmalen Gasse war es immer besonders gefährlich, den Inhalt eines Nachttopfs auf den Kopf zu bekommen“, schmunzlt der Nachtwächter.

Die „Müllabfuhr“ in mittelalterlichen Zeiten war ein Bach, der durch die Stadt floss. „Namentlich erinnert heute noch in vielen Städten die Kotgasse daran“, erklärt Ragusch. Der Feuerbach, der in alter Zeit durch Klagenfurt floss, rinnt bis heute entlang der Bahnhofstraße. Allerdings unterirdisch. Er tritt erst wieder nach dem Südring zutage und mündet dort in die Sattnitz.

Badstuben in der Badgasse

Für die Sauberkeit der Stadtbewohner gab’s auch in Klagenfurt öffentliche Badestuben, davon zeugt noch heute die Badgasse. Wobei das mit dem Sauberbleiben so eine Sache war. 

„In den Badezubern haben Frauen und Männer gebadet“, blinzelt der Nachwächter. Unter Duldung der katholischen Kirche ging es in den Badestuben damals wohl auch oft um mehr als nur die Körperhygiene. 

Andere moralische Vergehen wiederum wurden hart geahndet. „Brot zu stehlen war ein Anzeigegrund. Der Dieb wurde mit einem Nagel durchs Ohr an den Pranger gestellt. Nach drei Tagen durfte er sich dann losreißen. Daher auch der Begriff Schlitzohr“, erzählt Ragusch.

(c) Lukas Lenhardt

Tatorte in Klagenfurt

Wer im kriminalistischen Themenfeld mehr erfahren will: um Diebe, Betrüger und sogar Mörder, die in Klagenfurt über die Jahrhunderte ihr Unwesen trieben, dreht sich eine andere der vielen Klagenfurter Themenführungen unter dem Titel „Tatort Klagenfurt“. Stadtführerin Susanne Schlager rollt dabei schaurig-geheimnisvolle Begebenheiten aus Klagenfurts Geschichte auf, von den Einbrüchen einer Schulbubenbande mit einem 8-Jährigen als Anführer über den Stöckelschuh-Mord des Revue-Girls „Schwarze Susi“ bis zur Einbestellung eines Exorzisten aus Rom, der die Klagenfurter „Friseusen des Bösen“ heilen sollte. 

Tröstliches Glockengeläute

Noch einmal zurück in die faktische Dunkelheit Klagenfurts während unserer Nachtwächtertour. Als zur vollen Stunde eine Kirchenglocke erklingt, bringt uns Horst ihre Bedeutung für unsere mittelalterlichen Vorfahren näher: „In einer Gesellschaft mit so starrer Hierarchie und vielen Gefahren gab die Kirche allein durch das Glockengeläut den Menschen Halt. Die Glocken läuteten ja für jedermann, egal aus welchem sozialen Rang er war. Das war tröstlich und beruhigend, vor allem nachts. Im 13. Jahrhundert läuteten die Glocken deshalb vielerorts alle Viertelstunden.“

Stadtpfarrturm von Klagenfurt
(c) Stefan Kobald

Der Nachtwächter & Türmer von Klagenfurt

Der Klagenfurter Stadtpfarrturm beherbergt bis heute gleich fünf Glocken. Und er ist ein Kosmos für sich, mit einer faszinierenden Sage des einstigen Türmers und den wohl schönsten Ausblick über die Stadt bietet. Auch hier ist Horst Ragusch, als einer der wenigen Türmer in Österreich, die perfekte Auskunftsperson. Regelmäßig lädt er interessierte Besucher in seine Türmerwohnung hoch über der Stadt; tagsüber – wenn er seine Kutte, die er für seine wöchentlichen Nachtwächterführungen braucht, zwischendurch mal abgelegt hat. 

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